Wie nützlich ist die Blockchain-Technologie?

Vor einigen Jahren erlebte die Blockchain-Technologie aufgrund von Kryptowährungen wie Bitcoin einen Hype. Bis heute spielt sie in Unternehmensprozessen aber nur eine kleine Rolle – und das, obwohl sie in verschiedenen Bereichen für mehr Effizienz, Transparenz und Nachhaltigkeit sorgen kann.

Token-Ökonomie

Fachdialog Blockchain
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Token können als »digitale Zertifikate« verstanden werden, die beispielsweise Werte und Rechte repräsentieren und diese fälschungssicher und handelbar machen.

Anwendungsbeispiele: Im Bereich des Rohstoffhandels oder des Transports von chemischen Erzeugnissen und Gefahrgütern können die komplexen Prozesse mithilfe von Token transparent und manipulationssicher abgebildet werden. Smart Contracts ermöglichen es außerdem, Transaktionen innerhalb der Lieferkette automatisiert durchzuführen.

Chancen: Die Token-Ökonomie kann dazu beitragen, die deutsche Digitalwirtschaft von einer bis heute eher reaktiven zu einer proaktiven, (teil-) autonomen Wirtschaft zu transformieren. Durch die Integration der Blockchain- Technologie können Prozessinnovationen und neue Produktivitätsschübe erreicht werden.

Hemmnisse: Bisher gibt es nur wenige Best-Practice- Beispiele in Unternehmen. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen oft vor der Herausforderung, das entsprechende Know-how aufzubauen. Außerdem herrschen häufig rechtliche Unklarheiten in Bezug auf die Umsetzung der Technologie.

Handlungsfelder: Für die Umsetzung einer Token-Ökonomie ist es den Forscherinnen und Forschern zufolge wichtig, Wissenslücken im Bereich der Blockchain-Technologie zu schließen, um so auch das Verständnis für Netzwerkökonomien zu fördern. Dies ist vor allem in der deutschen, mittelständisch geprägten Wirtschaft von großer Bedeutung und eröffnet neue Chance im B2B-Bereich. Blockchain-Start-ups könnten zudem durch Initiativen gestärkt werden. Weiterhin ist die Integration kleiner und mittlerer Supply-Chain-Partner in die Lieferkette wichtig.

Nachhaltigkeit

Anwendungsbeispiel: Ein digitaler, blockchainbasierter Produktpass könnte für effizienteres Recycling sorgen. Dabei werden alle Produktinformationen entlang der Lieferkette in einer Blockchain dokumentiert, sodass beispielsweise den Recyclingunternehmen mehr Wissen über die Bestandteile sowie deren Herkunft und Verarbeitung vorliegt.

Chancen: Die Blockchain-Technologie ermöglicht es, Produktinformationen besser und verlässlicher nachzuverfolgen. Das kann Unternehmen beispielsweise mit Blick auf das deutsche Lieferkettengesetz und den Europäischen Supply Chain Act helfen, ihren auferlegten Pflichten nachzukommen.

Hemmnisse: Es fehlen insbesondere konkrete Erfahrungswerte zur Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Energieintensität der Blockchain-Technologie. Außerdem sind viele Unternehmen noch nicht ausreichend digitalisiert, um Blockchain-Anwendungen zu integrieren. Auch fehlende Best-Practice-Beispiele in Bezug auf Nachhaltigkeit und Blockchain-Lösungen stellen ein Hemmnis dar. All dies führt zu einer eher abwartenden Haltung gegenüber der Technologie, die auch mit dem Henne-Ei-Problem umschrieben werden kann.

Handlungsfelder: Bei öffentlich geförderten Pilotprojekten soll der Studie zufolge in Zukunft darauf geachtet werden, dass marktfähige Blockchain- Anwendungen entstehen. Um die verbreiteten Vorbehalte gegenüber der Technologie aufgrund ihrer vermeintlichen Energieintensität abzubauen, kann bei Förderungen verstärkt auf Nachhaltigkeitseffekte und deren konkreten Nachweis geachtet werden. Außerdem sollte die Bereitstellung von Open-Source-Software und -Hardware im Vordergrund von öffentlich geförderten Entwicklungsprojekten stehen, um so den Zugang zur Blockchain-Technologie zu erleichtern.

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Mittelstand

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Anwendungsbei­spiel: In vielen Branchen, wie etwa dem Bauge­werbe, schließen Projektpartner oft eine Vielzahl von Einzelverträgen untereinander ab, sodass Störungen bei einzelnen Abläufen zu Verzögerungen in der gesamten Zahlungskette führen können. Die Blockchain- Technologie kann diesen Prozess vereinfachen: Un­ternehmen hinterlegen ihre ausgeführten Leistungen damit revisionssicher und erhalten mittels Smart Contracts eine leistungs- oder nutzungsab­hängige Vergütung. Durch die Verknüpfung mit sogenannten Micro- und Instant Payments können zudem entsprechende Liquiditätseffekte erzielt werden.

Chancen: Prozesse können mithilfe der Blockchain-Tech­nologie und automatisierten Transaktionen durch Smart Contracts effizienter gestaltet werden. Außerdem profitieren Unternehmen von der Rückverfolgung der Lieferkettenpro­zesse sowie von zuverlässigeren Daten.  

Hemmnisse: Den Experten zufolge fehlt es dem Mittelstand aufgrund des IT-Fachkräftemangels an Wissen über den Ein­satz der Blockchain-Technologie. Doch auch die Anwendun­gen selbst sind teilweise noch nicht marktreif oder lassen sich nur schwer mit bereits bestehenden Systemen verbinden.  

Handlungsfelder: Die Forschenden empfehlen, einen rechtli­chen Rahmen festzulegen und entsprechende Freiheitsgrade – z. B. durch Experimentierfelder – einzuräumen, um Unsicher­heiten bei Unternehmen und insbesondere bei KMU zu redu­zieren. Zudem könnte ein ausgebauter Wissenstransfer das Know-how bezüglich der Blockchain-Technologie vergrößern. Sie raten außerdem dazu, den Austausch zwischen Unterneh­men des Mittelstands und Blockchain-Start-ups zu fördern, um Synergien zu nutzen und Einstiegsbarrieren zu reduzieren.