Fraunhofer IML präsentiert revolutionäre Shuttle-Technologie auf der CeMAT 2014

Kletterkünstler im Regal

Pressemitteilung / 16.5.2014

Die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML aus Dortmund haben ein neues Shuttle für die automatische Bedienung von Kleinteilelagern entwickelt. Der »RackRacer« kann sich nicht nur horizontal innerhalb der Gasse bewegen, sondern selbstständig Ebenen wechseln und so diagonal durch das Regal klettern. Besucher der CeMAT können sich vom 19. bis 23. Mai am Messestand des Fraunhofer IML in Halle 27, Stand J14, live im Einsatz von den Kletterkünsten des »RackRacer« überzeugen. Neben einem Prototyp aus Aluminium wird auch ein im 3D-Drucker gefertigtes Modell zu bestaunen sein.

Vor rund zehn Jahren läutete eine Entwicklung des Fraunhofer IML einen Paradigmenwechsel in der automatischen Kleinteilelagertechnik ein – das MultiShuttle. Heute sind schienengebundene Shuttlesysteme im Markt etabliert und werden vor allem als automatische Kleinteilelager oder als Pufferlager für die Kommissionierung eingesetzt. Ihren Siegeszug in der Lagertechnik verdanken die kleinen Fahrzeuge vor allem der einfachen Skalierbarkeit des Gesamtsystems sowie der hohen Kompaktheit und Flexibilität im Lageraufbau. Wollen sie jedoch die Lagerebene wechseln, müssen sie zum Gassenanfang oder -ende fahren, um von dort mithilfe eines Aufzugs in die gewünschte Ebene zu wechseln. Dadurch entstehen nicht nur unnötige Fahrwege, sondern unter Umständen auch Wartezeiten, wenn der Lift zum limitierenden Faktor im Gesamtsystem wird.

Das hat die Forscher des Fraunhofer IML dazu bewogen, existierende Shuttletechniken und das Fortbewegungskonzept völlig neu zu überdenken. Die nun erstmals öffentlich auf der CeMAT 2014 präsentierte Lösung namens »RackRacer« ist ein Shuttle, das sich selbstständig horizontal und diagonal im Regal bewegen kann. Die einfache wie geniale Idee dahinter ist, auf eine durchgehende Fahrschiene für das Shuttle zu verzichten und das benötigte Stück Schiene am Fahrzeug mitzuführen. Dieses Stück Schiene sind zwei so genannte schwenkbare Raupenelemente, die anstelle von Rädern am Shuttle angebracht sind. Sie heften sich im Regal an einzelne Abstützpunkte. So kann sich das Shuttle horizontal aber auch diagonal und damit zwischen den Ebenen bewegen – ganz ohne Lift. Dazu fährt es einfach über die schiefe Strecke, die sich aus dem Raster der Abstützpunkte ergibt. Um dies zu ermöglichen, sind die Raupenelemente schwenkbar am Shuttle-Rahmen aufgehängt. Damit werden die Wege des Shuttles im Regal kürzer und effizienter.

»Der RackRacer ist eine wirkliche Basisinnovation in der Intralogistik. Mit dem kletternden Shuttle bieten wir eine attraktive Alternative zu bestehenden Lösungen, wie z. B. Regalbediengeräten und Shuttle-Lift-Systemen und sind einmal mehr Vorreiter in der Entwicklung. Wir freuen uns darauf, das nächste Kapitel in der Geschichte der Shuttle-Technologie zu schreiben«, unterstreicht Prof. Dr. Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter am Fraunhofer IML.

Durch den Wegfall des Lifts macht der »RackRacer« die Anpassung des Lagersystems flexibler und die Leistung durch die Anzahl eingesetzter Fahrzeuge linear skalierbar. Damit ist das System ideal für die Realisierung kleinerer Behälterlager geeignet. Und auch für das Regal selbst ergeben sich Vorteile: Da keine Bauhöhe für die Fahrschienen verlorengeht, verbessert sich die Volumennutzung des Lagers. Zudem entfallen die Materialkosten für die durchgehenden Fahrschienen sowie die Fixkosten eines Liftsystems.

Der Tausch der Akkumulatoren ist ebenfalls denkbar einfach und zeitsparend gelöst: Der »RackRacer« fährt ans Gassenende, wo seitlich ein vollgeladener Akku in das Shuttle geschoben wird. Zeitgleich schiebt dieser den entleerten Akku aus dem Shuttle heraus in die Ladestation. Innerhalb weniger Sekunden kann der »RackRacer« weiterfahren.

Um mehr über die neue Technologie zu erfahren, lohnt sich ein Standbesuch beim Fraunhofer IML auf der CeMAT in Halle 27, Stand J14: Dort ist der »RackRacer« live im Einsatz. Neben dem Prototypen aus Stahl zeigen die Forscher auch ein Modell aus Elementen, die sie im 3D-Druckverfahren gefertigt haben. Dabei wird ein pulverförmiger Werkstoff mit Hilfe eines Lasers Schicht für Schicht zu dem gewünschten Teil aufgebaut. Das Modell wiegt nur 35 kg und trägt Lasten bis 20 kg.

 

Technische Daten des »RackRacer«:

Gewicht leer:                        52 kg

Nominale Tragfähigkeit:       25 kg

Fördergut:                             Kleinladungsträger

Maße Fördergut (B/L/H):       600mm/400mm/220mm

Fahrgeschwindigkeit            1,0 m/s

Steiggeschwindigkeit           1,0 m/s

Stromversorgung:                 Lithium-Ionen Akkumulatoren