Picking Lab – Kommissionierung zum Anfassen

Pickliste, MDE, Voice & Co.: Bewertung von Kommissioniertechnologien und Logistik IT für die Lagerverwaltung

Was ist das Picking Lab?

Das Picking Lab ist ein Kommissionierlager in Miniaturform, dass am Fraunhofer IML im Rahmen der Projektinitiative »Leistungszentrums Logistik und IT« errichtet wurde. Es dient der Bewertung von Kommissioniertechnologien und Logistik IT-Systemen für die Lagerverwaltung und stellt das Person-zur-Ware-Kommissionierprinzip mit den prozessualen Abläufen in den Fokus. Mittels realistischer Szenarien ermöglicht das Lab in einer standardisierten Umgebung einen praxisnahen Vergleich von Technologien. Da Kommissioniertätigkeiten anhand verschiedener Arbeitsmittel durchgeführt werden können, klassisch per Pickliste und Scanner, moderner per Pick-by-Voice oder hochmodern per Datenbrille, soll das Picking Lab die Entscheidungsfindung für Unternehmen erleichtern. Der Adressatenkreis des Picking Labs umfasst hierbei sowohl anwendende als auch anbietende Unternehmen von Technologien und Logistik IT-Systemen.

Wie ist das Picking Lab aufgebaut?

Um realitätsgetreue und standardisierte Testbedingungen für die Simulation typischer intralogistischer Bereiche wie E-Commerce, Kleinteilekommissionierung oder Lastenhandhabung zu schaffen, wurden Fachbodenregale mit verschiedenen Kleinladungsträgern und Kartonagen aufgebaut, die ein breites Artikelspektrum abbilden. Im Picking Lab können leichte Kleinteile, wie u. a. Schrauben, mit dem Kommissionierwagen oder schwere eher voluminöse Artikel, wie u. a. Werkzeugkoffer, auf eine Palette gepickt werden. Alle Artikel, die sich in den Regalen wiederfinden, sind abhängig von ihren Eigenschaften in Kleinladungsträgern, auf Kleiderbügeln oder in Fächern gelagert. Elektronische Labels an den Regalböden dienen der Beschriftung der Regalfächer und erlauben eine zukünftige Aufrüstung auf Pick-by-Light-Systeme. Hinsichtlich der Logistik IT für die Lagerverwaltung verfügt das Picking Lab über ein cloudbasiertes Warehouse-Management-System (WMS), an das die IT der Kommissioniertechnologien über eine Schnittstelle angebunden werden. Die Testumgebung soll eine Untersuchung und Bewertung der Technologien nach ergonomischen Kriterien und objektiven Leistungskriterien ermöglichen.

Datenschutz und Datenverarbeitung

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Welche Kommissioniertechnologien sind angebunden?

Dank des Kooperationsnetzwerks des Fraunhofer IML konnten verschiedene Pick-Technologien angebunden werden. Neben Pick-by-Voice- und Pick-by-Scan-Systemen kommen auch Picklisten, Tablets und Geräte der mobilen Datenerfassung (MDE’s) zum Einsatz. Zu den Kooperationspartnern des Picking Labs zählen der WMS-Anbieter Logistics Reply GmbH, der WMS- und Pick-by-Voice-Anbieter proLogistik GmbH + Co KG, der ePaper- und Pick-by-Light-Anbieter ekko und der Anbieter von Lager- und Betriebseinrichtungen BITO-Lagertechnik Bittmann GmbH, der ein ähnliches Testzentrum errichtet hat. Projektpartner für einen Austausch zu Themen der Kommissionierung ist auch der Lehrstuhl für Förder- und Lagerwesen der TU Dortmund. Ein Ziel für die Zukunft ist es, weitere Technologien und Logistik IT anzubinden.

Was ist das Ziel des Picking Labs?

Das Motto des Picking Labs lautet »Technology, Transfer and Training« und verdeutlicht die drei mit dem Projekt verfolgten Ziele. Es werden beispielsweise klassische Kommissioniertechniken und -technologien wie Picklisten, Scanner und MDE’s mit modernen Technologien wie Datenbrillen, Voice-Systemen oder der Pick-by-Light-Technik verglichen. Daneben werden mechanische Assistenzsysteme, die Mitarbeitende körperlich entlasten sollen - sogenannte passive und aktive Exoskelette - herstellerunabhängig im Picking Lab getestet. Sowohl die Forschung als auch die Industrie profitieren von der Nutzung des Picking Labs.
In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Förder- und Lagerwesen der TU Dortmund wird ein Bewertungsmodell für die unterschiedlichen Kommissioniertechnologien erstellt. Damit die Ergebnisse der durchgeführten Studien direkt in die Forschung einfließen, kooperiert das Fraunhofer IML außerdem mit verschiedenen Forschungsinstituten der Region. Letztlich dient das Picking Lab als Transferplattform für jegliche Zielgruppen und ist  im Rahmen von Führungen oder Transfertagen für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich.

Wen soll das Picking Lab ansprechen?

Neben der Forschung profitiert auch die Industrie vom Picking Lab und den Forschungsergebnissen. Zusammen mit dem Fraunhofer IML können Hard- und Software-Hersteller sowohl die Eignung ihrer Hardware als auch die Funktionsweise und -fähigkeit ihrer Software testen und weiterentwickeln. Unternehmen haben zudem die Möglichkeit, die Entwicklungen der Forschungspartner oder auch Eigenentwicklungen zu testen und erhalten eine Entscheidungsgrundlage für die passende Hard- und Software in ihrem Kommissionierlager. Außerdem können die Firmen im Picking Lab Besucher-/ und Kundentage oder Workshops vor Ort durchführen und ihre Produkte ausstellen. Das Picking Lab gibt schließlich auch Interessierten aus der Industrie die Chance, unterschiedliche Technologien auszuprobieren und ermöglicht eine »Weiterbildung für die einfachen AnwenderInnen«. Die Durchführung von Trainings mit Mitarbeitenden ist eine ergänzende Möglichkeit, den Umgang und Einsatz von Kommissioniertechnologien kennenzulernen. 

Was zeichnet das Picking Lab aus?

Das Picking Lab ermöglicht die ganzheitliche Betrachtung der Kommissionierung und der sowohl kognitiven und physikalischen Ergonomie als auch der Organisationsergonomie, die Untersuchung der Kommissionierung in verschiedenen Bereichen der Intralogistik, die Testung von Hard- und Software und verbindet schließlich die Erkenntnisse der Forschung mit der Praxiserfahrung der Industrie. Das im Rahmen der Projektinitiative »Leistungszentrums Logistik und IT« eröffnete Picking Lab ist Teil eines Testparcours im Exoskelett Lab.

Publikationen zum Thema

Rinkenauer, G., Reiser, J.E., Renker, J. & Kretschmer, V. (2021) Intralogistik im Zeitalter des digitalen Wandels: Arbeitsanforderungen und psychische Beanspruchung in der Kommissionierung am Beispiel eines Unternehmens aus dem E-Commerce-Bereich. Zeitschrift für Arbeitswissenschaft 75, 266–281. https://doi.org/10.1007/s41449-021-00285-4
Wings, L. M., von Preetzmann, T. & Kretschmer, V. (2021). Markt- und Anwendungsstudie zum Digitalisierungsgrad der personellen Ressourcenplanung in der Intralogistik. Logistics Journal: Proceedings. https://doi.org/10.2195/lj_Proc_wings _de_202112_01
Wings, L. M., von Preetzmann, T. & Rapatz, V. (2021). RPS-Studie – Softwaregestützte Planung personeller Ressourcen im Lager. https://doi.org/10.24406/iml-n-642366
Kretschmer, V. (2020). Die Rolle des Menschen in der digitalen Arbeitswelt: Erkenntnisse industrienaher Forschungsprojekte am Beispiel der Logistik. In: Herbstkonferenz der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft e. V. (GfA) 2020 »Stellenwert menschlicher Arbeit im Zeitalter der digitalen Transformation«, 17.-18. September 2020, Dortmund: GfA-Press.
Spee, D. & Kretschmer, V. (2018). Kognitive Ergonomie: Der Mensch - eingebunden in die Logistik 4.0. HUSS-VERLAG GmbH. https://www.huss-shop.de/item/Kognitive-Ergonomie.html  

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Logistik 4.0