Hygiene und Logistik

Hygiene und Logistik? JA!

Bei der Planung von logistischen Betriebskonzepten im Krankenhaus müssen neben den medizinischen Konzepten ebenfalls die Anforderungen der Hygiene berücksichtigt werden. Nur wenn diese drei Perspektiven - logistisches Betriebskonzept, medizinische Konzepte und Hygiene - bei der Planung gemeinsam betrachtet werden, kann ein ganzheitliches Konzept entstehen und von den Nutzern in die Praxis umgesetzt werden.

Die Notwendigkeit für die Verknüpfung von Hygiene- und Logistikkonzepten besteht u.a. bei folgenden Aspekten:

  • Betriebskonzept für eine zentrale Einleitung,
  • Betriebskonzept für einen Richtraum,
  • Umkleidenkonzept für den OP-Bereich,
  • Schleusenkonzept in einem Isolierzimmer,
  • Personalkonzepte und Materialkonzepte bei Epidemien (z.B. Ebola),
  • Ver- und Entsorgungskonzepte während einer Umbaumaßnahme,
  • Auswahl geeigneter Transportbehälter,
  • Dynamische Personen- und Materialflusssteuerung sowie
  • Personal- und Materialkonzepte bei Epidemien (z.B. Ebola, Corona) auch in klinischen Versorgungszentren.

Die Abteilung »Health Care Logistics« des Fraunhofer IML erarbeitet logistische Betriebskonzepte für Krankenhäuser, unter Berücksichtigung der speziellen hygienischen Anforderungen, welche ein Krankenhaus mit sich bringt.

Entwicklung eines Pandemieplans für den Neu- und Umbau von Krankenhäusern

Insbesondere für die dynamische Personen- und Materialflusssteuerung während einer Pandemie bietet ein Krankenhausneubau erhebliche Chancen. Jedoch beinhaltet die Notwendigkeit bei den baulichen Anforderungen zahlreiche logistische Herausforderungen. Dazu zählen neben strengen Hygieneauflagen zusätzlich Konzepte und Kapazitäten für den Fall einer Pandemie, also einer länder- oder kontinentübergreifenden Ausbreitung einer Infektionskrankheit wie Influenza oder COVID-19.

Die aktuelle Corona-Pandemie zeigte, dass auch für die Ablaufsteuerung im Krankenhaus noch Chancen zur Verbesserung vorliegen.

Das besonders hohe Gefahrenpotential während einer Pandemie, welches von sich kreuzenden Patienten- und Materialströmen ausgeht, sollte bereits im Bauplanungsprozess berücksichtigt werden. Das Fraunhofer IML unterstützt Krankenhäuser dabei, Verfahren und Maßnahmen zur intelligenten, situativen Steuerung von Personen- und Materialflüssen zu implementieren. Das Ziel hierbei ist es, ein dynamisches Leitsystem umzusetzen, welches im Pandemiefall eine möglichst kreuzungsfreie und kontaktarme Führung von Material- und Personenströmen ermöglicht. Hierdurch soll die Ansteckungsgefahr und damit die Ausbreitung der Pandemie minimiert werden.

Zur Entwicklung eines solchen dynamischen Leitsystems werden mit Predictive Analytics Methoden historische und aktuelle Lastsituationen analysiert und der Pandemieplan so an die baulichen Gegebenheiten angepasst.

Oberstes Ziel für einen Pandemieplan ist es, infektiöse und nicht-infektiöse Patienten bestmöglich zu trennen und kontaminierte Materialien auf separaten Wegen zu transportieren und zu entsorgen. Bei einer solchen Pandemieplanung werden sowohl die Phase (nahezu) ohne Regelbetrieb zu Beginn der Pandemie als auch die Bewältigung des wiederaufgenommenen Regelbetriebes parallel zur Pandemie berücksichtigt. Um auf unterschiedliche Fallzahlen reagieren zu können, erarbeitet das Fraunhofer IML mehrstufige Konzepte mit unterschiedlichen Isolierkapazitäten und Schleusenbereichen.

Pandemieplan (schematische Darstellung)

Um die Trennung von Verdachtsfällen, infektiösen und nicht-infektiösen Patienten zu gewährleisten, wird ein umfangreiches Konzept erstellt, welches die Aufteilung der Treppenhäuser, Aufzüge, Stationen und ganzer Stockwerke im Pandemiefall und notwendige Einplanungen von Türen und Schleusen in der Bauplanung umfasst. Darüber hinaus werden Aspekte wie die Bettenaufbereitung, Müllentsorgung, Materialanlieferung und Essensversorgung betrachtet und mögliche Alternativen für den Pandemiefall aufgezeigt. Die Beratung durch das Fraunhofer IML umfasst also nicht nur bauliche, sondern auch prozessuale Faktoren. Hierbei wird nicht nur die Trennung von Material- und Patientenströmen berücksichtigt, sondern auch die Optimierung der Mitarbeiterwege.