Neue und differenzierte Erkenntnisse zur Auslastung von Lkw-Parkplätzen an Autobahnen

Intelligent Truck Parking

11. Juni 2021

Forschungsprojekt ermöglicht weniger CO2-Emissionen und weniger Unfälle durch gefährlich abgestellte Lkw auf und an Autobahnen.

Intelligent Truck Parking
© Fraunhofer IML

Überlastete Lkw-Parkplätze an Autobahnen stellen Spediteure und Transportunternehmen vor große Herausforderungen bei der Planung von Touren, die unter Beachtung von vorhandenen Parkmöglichkeiten und strikten Lenkzeitvorgaben erfolgen muss.

Das Anfang 2021 abgeschlossene Projekt »ITP« entwickelte einen Datendienst, über den Navigations-, Speditions- und Logistiksysteme Informationen zu Lkw-Stellplatzkapazitäten und -prognosen an Autobahnen beziehen können. Die Analysen zur Entwicklung des Datendienstes haben neue und zum Teil überraschende Erkenntnisse geliefert. So ist oftmals innerhalb kleinster geographischer Distanzen, wie z. B. bei gegenüberliegenden oder aufeinander folgenden Rastplätzen, eine unerwartet starke Varianz bei der Parkplatzauslastung zu beobachten.

Das Projekt »INTELLIGENT TRUCK PARKING - Lkw-Parken als europäischer Datendienst und Buchungsservice – Belegung, Datenfusion und Prognose« wurde im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND mit rund 2 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gefördert. Im dritten Quartal 2021 ist eine öffentliche Abschluss- und Informationsveranstaltung zu den Ergebnissen des Forschungsprojekts geplant.

Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur: »Das BMVI hat das Ziel, die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur zu erhöhen. Unsere Investitionen schließen auch Initiativen zur Verbesserung des Lkw-Parkplatzangebots im Zuge entlang der Bundesautobahnen ein. Das erfolgreich abgeschlossene mFUND-Projekt ITP kann als digitale Innovation einen Beitrag zum 5-Punkte-Plan zur Verbesserung der Lkw-Parksituation an Autobahnen leisten. Der durch eine bessere Datengrundlage verminderte Parksuchverkehr erhöht die Verkehrssicherheit und reduziert Umweltbelastungen.«

 

Detailinformationen zum Projekt INTELLIGENT TRUCK PARKING (ITP)

Der Güterverkehr auf deutschen Autobahnen nimmt stetig zu. Für Lkw-Fahrer wird es immer problematischer, geeignete Stellplätze für ihre Ruhezeiten zu finden. Zunehmender Schwerverkehr und Lenkzeitvorschriften führen insbesondere bei Nacht zu einer Überlastung von Park-, Tank- und Rastanlagen sowie zu widerrechtlichem und gefährlichem Abstellen der Fahrzeuge. Es besteht ein erheblicher Bedarf an präziser und qualitätsgesicherter Information zu freien Parkmöglichkeiten für Lkw, um die vorhandene Lkw-Parkinfrastruktur an Autobahnen noch besser auszulasten.

Analysen u. a. von Floating-Car-Daten (FCD) und Vor-Ort-Beobachtungen haben gezeigt, dass es zeitweise durchaus noch freie Lkw-Stellplätze im regionalen Umfeld gibt, auch wenn einzelne Parkanlagen bereits überlastet sind. Zum Teil sind Parkanlagen je nach Fahrtrichtung unterschiedlich stark ausgelastet. Aber auch entlang einer Fahrtrichtung ergeben sich unerwartete Schwankungen. Stünden Lkw-Fahrern diese Informationen zur Verfügung, könnten sie leichter einen freien Stellplatz finden. Es zeigte sich in Beobachtungen, dass zum Beispiel langfristig abgestellte Anhänger ein großes Problem sein können, da sie dringend benötigten Parkraum blockieren. Weiterhin sind durch die Einbahnstraßenregelung auf größeren Anlagen freie Parkplätze teils für den Fahrer nicht sichtbar oder nicht mehr erreichbar.

Die durchgeführte Bedarfsanalyse ergab, dass Lkw-Fahrer die Parkbelegungsprognosen in die bereits am Markt vorhandenen Navigations- und Routingsysteme eingebunden haben wollen. Disponenten der Transportunternehmen benötigen dagegen eher Desktoplösungen. »ITP« hat daher eine technisch komplexe Lösung als einfachen und praxisnah nutzbaren Datendienst entwickelt, über den Navigations-, Speditions- und Logistiksysteme Informationen zu Lkw-Stellplatzkapazitäten und -prognosen an Autobahnen beziehen können. Zudem wurde ein entsprechender Dispo Client als Desktop-Anwendung entwickelt. Dieser Service prognostiziert auch dort, wo es keine sensorbasierten Erfassungssysteme auf den Park-, Tank- und Rastanlagen gibt, ob noch freie Lkw-Abstellmöglichkeiten vorhanden sein werden.

Daten unterschiedlicher Quellen wurden analysiert, bewertet, mittels mathematischer Simulation und Machine Learning verarbeitet und kombiniert. Die Erfassung der geduldeten Überparkung mittels Geodaten, die Analyse von Belegungsmustern, die Interpretation des Lkw-Parkverhaltens sowie die Auswertung von Echtzeit-FCD waren Grundlagen des erarbeiteten Prognosealgorithmus. Die dabei verwendeten statischen Rastanlagendaten sind aufbereitet und standardisiert in der mCLOUD, dem Open-Data-Portal des Bundes für Mobilitätsdaten, abrufbar.

»ITP« hat ein hohes Nutzenpotenzial für alle drei Kundengruppen (B2B, B2C, B2A) und 21 definierte Kundengruppen. Im Projekt wurden bereits zwei erfolgversprechende B2B-Geschäftsmodelle beispielhaft ausgearbeitet.

Der Projekterfolg basiert auf der Zusammenarbeit der Firmen Materna Information & Communications SE, PRISMA solutions Deutschland GmbH und der TraffGo Road GmbH mit den wissenschaftlichen Einrichtungen Fraunhofer-Institut Materialfluss und Logistik IML, der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen sowie Prof. Dr. Manfred Loidold. Wertvolle Unterstützung erhielt das Projekt durch die Partner Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), der Zentralstelle Verkehrsmanagement (ZVM) der Landesbaudirektion Bayern, der Firma TraffiCon, dem Logistik-Kompetenz-Zentrum in Prien, Hessen Mobil, dem Telematikanbieter mobileObjects AG sowie mehreren Speditionen, beispielsweise Edgar Grass, Benninger&Föll, Franz Fischer, Schuldes und DACHSER. Deren historische und Echtzeitdaten sowie ihr branchenspezifisches Wissen und ihre Erfahrungswerte waren wesentlich für die Entwicklung der Modelle und Algorithmen zur Auslastungsprognose von Autobahn-Parkplätzen.

Über das Förderprogramm mFUND des BMVI
Im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND fördert das BMVI seit 2016 Forschungs- und Entwicklungsprojekte rund um datenbasierte digitale Anwendungen für die Mobilität 4.0. Neben der finanziellen Förderung unterstützt der mFUND mit verschiedenen Veranstaltungsformaten die Vernetzung zwischen Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Forschung sowie den Zugang zum Datenportal mCLOUD. Weitere Informationen sind unter www.mfund.de abrufbar.    

 

Ansprechpartner:

Katrin Scholz (Projektleitung), Fraunhofer IML in Prien; TEL.: +49 8051 901-117; E-Mail: katrin.scholz@iml.fraunhofer.de

Volker Kraft, Fraunhofer IML in Dortmund; E-Mail: volker.kraft@iml.fraunhofer.de

Manfred Loidold; E-Mail: Manfred.Loidold@hs-rm.de

Andreas Rydzek, Materna Information & Communications SE; E-Mail: Andreas.Rydzek@materna.de

Florian Hilti, PRISMA solutions Deutschland GmbH; E-Mail: florian.hilti@prisma-solutions.de

Joachim Wahle, TraffGo Road GmbH; E-Mail: wahle@traffgoroad.com

Benedikt Maier, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; E-Mail: Benedikt.Maier@ifa-info.de