ForestGuard - Entwaldungsfreie Lieferketten

Blockchain für entwaldungsfreie Kaffee-Lieferketten

Der Bedarf an Informationen wächst stetig. Die Umsetzung der EU-Anti-Entwaldungsverordnung (EUDR) sowie den Status quo im Zeitverlauf angemessen zu berichten und eventuelle Handlungsempfehlungen abzuleiten, erfordern ein Vielfaches an Informationen von Unternehmen und deren Lieferketten. Diese Informationen stehen heute jedoch entweder gar nicht oder nicht in ausreichender Quantität, Qualität, Verlässlichkeit, Manipulationssicherheit oder Handhabbarkeit zur Verfügung.

Ziel des Projekts ForestGuard ist ein anwendungsorientierter Umsetzungsvorschlag zum Nachweis entwaldungsfreier Lieferketten. Informationen von unterschiedlichen Stakeholdern und aus verschiedenen Quellen entlang von Lieferketten werden unter Wahrung der Datensouveränität strukturiert zusammengeführt, um durch die Verbindung verschiedener Technologien, wie Distributed-Ledger-Technologie, digitale Transparenz und Effizienz zu schaffen. Konkret entsteht ein skalierbarer, Open Source-Lösungansatz am Beispiel einer Kaffee-Lieferkette. Im Rahmen einer Pilotierung wird validiert wie dieser Lösungsansatz die verschiedenen Stakeholder der Lieferkette bei der Einhaltung der EUDR unterstützt.

© ForestGuard

Nutzer können über das ForestGuard System Informationen zur Lieferkette fälschungssicher abspeichern und Dritten bereitstellen. Dazu zählen bspw. Warenbeschreibungen, Geodaten der relevanten Anbauflächen inklusive Eigentumsnachweisen sowie wichtige Nachweise über Entwaldungsfreiheit dieser Flächen. 

Diese Informationen können dann beim Einbringen von Erzeugnissen in den Europäischen Markt etwa von Importeuren für Sorgfaltserklärungen an das EU-Informationssystem verwendet werden. Gleichzeitig befähigt die Datengrundlage in ForestGuard dazu, diverse Funktionen entlang der Wertschöpfungs- und Lieferkette anzubieten, die das Erfüllen der Nachweispflicht erleichtern. Dazu zählen bspw. die Prozessverfolgung sowie das entsprechende Nachverfolgen von Chargen und deren etwaige Aufteilung oder Vermischung mit anderen Chargen. 

Ernten integrierter Anbauflächen können von den oft kleinbäuerlichen Produzenten ebenfalls besser gemanagt werden, da das System eine lückenlose Buchführung über Flächen und Erträge erlaubt.

Die so abgesicherten Informationen sowie darauf aufbauende Dienstleistungen von ForestGuard schaffen eine Grundlage für die Risikobewertung, -minderung und Berichterstattung, zu der Unternehmen in der EU künftig verpflichtet sind.

Grafik des Projektes: ForestGuard - Soll-Process
© Fraunhofer IML

Forschungsreise Peru

Datenschutz und Datenverarbeitung

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ForestGuard in der Lieferkette
Schritt für Schritt zu mehr Transparenz

1. Lieferkette

Anwendungsfall: Mehrstufige, grenzüberschreitende Lieferkette, z. B. aus dem Agrar- oder Lebensmittelbereich.

Hier wird die einfache Lieferkette abgebildet vom Produktionsort bis zum Verbraucher
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2. Konnektivität

ForestGuard ermöglicht eine durchgängig digitale Vernetzung der Akteure in der Lieferkette. Die verschiedenen Stakeholder, vom Erzeuger am Ausgangspunkt, bis zum Händler im Einfuhrland, können Stamm- und Prozessdaten einspeisen, auslesen, aktualisieren und herunterladen.

Hier wird eine Lieferkette abgebildet, die zeigt, dass ForestGuard eine durchgängig digitale Vernetzung der Akteure in der Lieferkette ermöglicht.
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3. Drittanbieter

ForestGuard kann zusätzlich auch weitere Informationen aufnehmen, die von Dritten stammen. Das können Informationen sein, die auf bestimmte Stammdaten referenzieren, wie z. B. Nachweise über Entwaldungsfreiheit oder Satellitenbilder, die sich auf ein bestimmtes Stück Land beziehen. Es schließt aber ebenso Informationen mit ein, die sich auf bestimmte Akteure beziehen, wie etwa Fairtrade Zertifikate für einen bestimmten Produzenten. Einmal hinzugefügte Informationen werden fest mit den zugehörigen Datenobjekten verknüpft. Egal ob es sich dabei um Stammdaten oder Informationen zu Prozessschritten / Events handelt, diese müssen nur einmal eingegeben werden und gehen auch bei mehrstufiger Bearbeitung oder Vermischung von Produkten entlang der Wertschöpfungskette nicht verloren und sind einsehbar.

Hier wird eine Lieferkette abgebildet, die zeigt, dass einmal hinzugefügte Informationen werden fest mit den zugehörigen Datenobjekten verknüpft.
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4. EUDR Sorgfaltserklärung

Für Lieferkettenbeteiligte mit Sitz in der EU bietet ForestGuard vor dem Hintergrund der EUDR die Möglichkeit, Informationen für die eigene Risikobewertung oder Sorgfaltserklärungen heranzuziehen. Um Anpassungsaufwand zu vermeiden, ist das Datenmodell bereits auf das Format angepasst, welches für das EU-Informationssystem für EUDR-Sorgfaltserklärungen benötigt wird. Die Referenznummern der Sorgfaltserklärungen, die vom EU-Informationssystem zurückkommen, können in ForestGuard wieder mit dem zugehörigen Datensatz verknüpft und in der Lieferkette weitergeleitet werden.

Hier wird eine Lieferkette abgebildet, die zeigt, um Anpassungsaufwand zu vermeiden, ist das Datenmodell bereits auf das Format angepasst, welches für das EU-Informationssystem für EUDR-Sorgfaltserklärungen benötigt wird.
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5. Volle Flexibilität

Gerade in internationalen Agrarlieferketten ist das Digitalisierungsniveau oft stark unterschiedlich. Es gibt manuelles oder papierbasiertes Informationshandling einerseits, während andernorts teils mehrere verschiedene digitale Systeme parallel im Einsatz sind. Aus diesem Grund verfügt ForestGuard über Schnittstellen, die beides erlauben – sowohl einen manuellen als einen maschinellen Input, Abruf und Export von Informationen. Der Zugriff ist dabei nur für die Akteure in der Lieferkette möglich, die tatsächlich am Prozess beteiligt sind. Dies wird durch eine gezielte Authentifizierung sichergestellt.

Hier wird die finale Lieferkette abgebildet, ForestGuard verfügt über Schnittstellen, die beides erlauben – sowohl einen manuellen als einen maschinellen Input, Abruf und Export von Informationen.  Der Zugriff ist dabei nur für die Akteure in der Lieferkette möglich, die tatsächlich am Prozess beteiligt sind. Dies wird durch eine gezielte Authentifizierung sichergestellt.
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Projektsteckbrief

Projekttitel ForestGuard
Laufzeit

November 2023 bis Mai 2025

Fördervolumen 1.036.421,66 €. 
förderschwerpunkt

Durchführbarkeitsstudie, Pilot- und Modellvorhaben

Förderer Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN)
KooperationSpartner

REWE Group

Schirmer Kaffee GmbH

ProjektleitUNG Fraunhofer IML

»ForestGuard ist eine Open-Source-Software zur transparenten und manipulationssicheren Rückverfolgung entwaldungsfreier Lieferketten. Am Beispiel des Rohstoffs Kaffee unterstützt ForestGuard betroffene Akteure dabei, die Anforderungen der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) zu erfüllen, indem Geodaten, Nachweise und Lieferketteninformationen vom Kaffeefeld in Peru bis zum deutschen Supermarktregal digital integriert werden. «
Thuy Tien Nguyen Thi forscht an Blockchain-Technologien am Fraunhofer IML

Meilensteine

Gesamtbericht mit Projektergebnissen veröffentlicht

Mit Abschluss des Projektes ForestGuard liegt nun der Gesamtbericht vor, der die Arbeiten und Ergebnisse über die gesamte Projektlaufzeit, sowie potenzielle Projektentwicklungen zusammenfasst.

Darin erhalten Sie Einblicke, wie am Beispiel einer Kaffeelieferkette ein Open-Source Lösungsansatz in enger Zusammenarbeit mit Praxispartnern entwickelt wurde, um betroffene Akteure bei der Einhaltung der EUDR-Vorgaben zu unterstützen. Unternehmen sollen dadurch befähigt werden, ihre Lieferketten transparent zu gestalten und die negativen Auswirkungen der Entwaldung auf Umwelt und Gesellschaft zu verringern.  

Die Inhalte umfassen:

  • Einführung in die EUDR
  • Analyse der EUDR-Anforderungen an Unternehmen
  • Einblicke aus dem Besuch der Kaffeekooperative Valle Ubiriki in Peru
  • Detaillierte Vorstellung der ForestGuard-Lösung und der technischen Funktionen
  • Ausblick und mögliche Projekterweiterungen

Hier lesen Sie den vollständigen Bericht: ForestGuard Full Report (Englisch)

ForestGuard gelistet in der EUDR-Toolanalyse von OroVerde und Global Nature Fund

ForestGuard wurde als Teil der veröffentlichten Toolanalyse »Software-Lösungen für die EUDR« als Hilfsmittel gelistet, die zur Erfüllung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) eingesetzt werden können. Die Analyse wurde vom Global Nature Fund und der Tropenwaldstiftung OroVerde im Rahmen des Projekts »elan! Entwaldungsfreie Lieferketten - Aktiv für mehr Nachhaltigkeit!« erstellt.  

In der zunehmend komplexen Anbieterlandschaft für EUDR-Tools, die von Start-ups bis hin zu etablierten Softwareanbietern reicht, sollten Unternehmen vor der Auswahl eines digitalen Tools klar definieren, in welchen Bereichen digitale Unterstützung notwendig ist. Die Publikation bietet hierzu gemeinsam mit einer Excel-Tabelle ein praxisorientiertes Analyseraster zur systematischen Bewertung digitaler Lösungen für die EUDR-Umsetzung.

ForestGuard gehört dabei zu eines der wenigen kostenlosen Unterstützungsangebote für Unternehmen zur Erfüllung der Anforderungen der EUDR und hebt sich durch seine Open-Source-Natur hervor, die es Unternehmen ermöglicht, die Software an ihre spezifischen Bedürfnisse anzupassen. 

Während der Nachweis der Lieferkette für wenigen Anbauflächen meist unkompliziert ist, wird die Rückverfolgbarkeit bei einer Vielzahl von Anbauflächen komplexer. Die EU-Verordnung betont die Nutzung digitaler Technologien zur Informationsbeschaffung und -weitergabe, um Entwaldung und Waldschädigung zu verringern. Digitale Lösungen wie ForestGuard bieten hier entscheidende Unterstützung. Die Funktionen von ForestGuard beinhalten die Erfassung von den Stamm- und Prozessdaten aller relevanten Stakeholder, Nachweisführung, Nachverfolgung, Visualisierung und Datenexport. Zusammen tragen sie zur Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen wie Kaffee bei und leisten so einen Beitrag zur Umsetzung der EUDR-Vorgaben. 

Erfahren Sie mehr über ForestGuard und weitere EUDR-Softwarelösungen: Software-Lösungen für die EUDR.

Nachweislich Entwaldungsfrei: Open Source Blockchain-Tool veröffentlicht

Am 31.01.2025 wurde das ForestGuard Tool für entwaldungsfreie Lieferketten Open Source veröffentlicht. Entwickelt wurde die innovative Lösung vom Fraunhofer IML als Unterstützungsangebot für Unternehmen und – oftmals kleinbäuerliche – Produzenten, um den Anforderungen der EU-Verordnung Nr. 1115/2023 für entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) gerecht zu werden. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUV) gefördert und in Zusammenarbeit mit Partnern wie der REWE Group und Schirmer Kaffee GmbH initiiert und am Beispiel einer Kaffeelieferkette umgesetzt.

ForestGuard unterstützt die Stakeholder in der Lieferkette bei der Nachweisführung über die Entwaldungsfreiheit von Erzeugnissen, insbesondere bei der Sammlung und Weitergabe von Informationen gemäß Artikel 9 der EUDR. Der aktuelle Lösungsansatz richtet sich an alle Akteure in Lieferketten, die von der EUDR betroffen sind und mit Anwendungsbeginn eine entsprechende Sorgfaltspflicht erfüllen müssen oder zu dieser Erfüllung einen Beitrag leisten. Durch die Open Source Veröffentlichung steht ForestGuard darüber hinaus auch für andere Anwendungsfälle jenseits der EUDR zur Verfügung, in denen eine verlässliche Informationsbasis und Nachweisführung benötigt wird.

Die Lösung umfasst unter anderem Funktionalitäten zur

  • Stamm- und Prozessdatenerfassung aller relevanten Stakeholder (Geodaten, Mengenerfassung, Vermischung & Aufteilen von Chargen, Verarbeitungsschritte, Weitergabe etc.)
  • Nachweisführung (Entwaldungsfreiheit, Eigentumsnachweise, Zertifikate, etc.)
  • Nachverfolgung und Visualisierung
  • Datenexportfunktion

Die Open Source Veröffentlichung ist über den offiziellen GitHub-Link des Fraunhofer IML zugänglich:

https://github.com/fraunhofer-iml/forestguard

Der Code und das Tool sind kostenfrei zugänglich. Es wird dazu eingeladen, die Funktionalitäten der ForestGuard Lösung zu erkunden und aktiv zur Förderung entwaldungsfreier Lieferketten beizutragen.

Abschlussveranstaltung ForestGuard Dialog:
Sustainable Supply Chains

Das Bild zeigt die Bühne mit Rednerpult samt Landeswappen.
© Fraunhofer IML
Das Bild zeigt das Podium der Veransatltung mit Univ.-Prof. Dr. habil. Dr. h. c. Michael Henke und .Dr. Axel T. Schulte vom Institut.
© Fraunhofer IML
Das Bild zeigt Teilnehmende der Veranstaltung im Gespräch.
© Fraunhofer IML

Am 21.01.2025 fand die Abschlussveranstaltung des Projekts ForestGuard in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen in Berlin statt.

Im Rahmen des Projekts wurde eine Open-Source-Lösung entwickelt, die auf Blockchain-Technologie basiert und eine transparente Nachweisführung für entwaldungsfreie Lieferketten ermöglicht. Ziel des Projekts ist es, Unternehmen – insbesondere kleinere Produzenten und KMUs – dabei zu unterstützen, regulatorische Anforderungen wie die EU-Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) zu erfüllen. Diese fordert ab Ende 2025 den Nachweis, dass Produkte wie Kaffee, Kakao oder Holz von Anbauflächen stammen, die in den letzten fünf Jahren nicht entwaldet wurden.

Die Veranstaltung bot die Gelegenheit, die Ergebnisse des Projekts vorzustellen und zentrale Themen wie Nachhaltigkeit, Transparenz und Digitalisierung in globalen Lieferketten zu diskutieren. Dabei wurde deutlich, dass technologische Lösungen wie ForestGuard nicht nur dazu beitragen, regulatorische Anforderungen zu erfüllen, sondern auch soziale und ökologische Aspekte stärken können.

Besonderer Dank gilt den Projektpartnern, darunter die REWE Group, die Schirmer Kaffee GmbH und eine Kaffeekooperative in Peru. Sie haben gemeinsam mit dem Fraunhofer IML daran gearbeitet, eine praxisnahe und kosteneffiziente Lösung zu entwickeln, die auch für kleinere Produzenten zugänglich ist.

Der Quellcode von ForestGuard wird ab Ende Januar 2025 als Open Source veröffentlicht. Damit setzt das Projekt ein starkes Zeichen für den Einsatz digitaler und nachhaltiger Lösungen in Lieferketten.

Vielen Dank an alle Teilnehmenden und Partner, die durch ihre Diskussionsbeiträge und ihr Engagement die Abschlussveranstaltung bereichert haben.

Zeit Wissen Kongress 24

Seit 2013 stellt der ZEIT WISSEN Kongress – Mut zur Nachhaltigkeit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit besonders langanhaltendem Engagement oder einem Durchbruch in der Wissensvermittlung – engagierte, etablierte Unternehmen oder Initiativen mit konsequenter Nachhaltigkeitsorientierung – junge Unternehmerinnen und Unternehmer mit innovativen, skalierbaren Geschäftsmodellen, in deren Kern das Thema Nachhaltigkeit fest verankert ist – Akteurinnen und Akteure, die sich beispielhaft um die Veränderung unserer Gesellschaft verdient gemacht haben, in den Mittelpunkt.

Dr. Maximilian Austerjost war in diesem Jahr eingeladen, an einer Podiumsdiskussion zum Thema »Wie können wir Klima- und Umweltschutzmaßnahmen schneller umsetzen« teilzunehmen.

Dort stellte er das Projekt ForestGuard vor, um zu zeigen, dass technologische Innovationen wie Blockchain und AI einen großen Beitrag zu nachhaltigen Lieferketten leisten können. Die schnelle Umsetzung, das Testen und das Einholen von Feedback von Stakeholdern, wie es im Projekt praktiziert wird, erhöht die Geschwindigkeit und die Erfolgswahrscheinlichkeit von Klima- und Umweltschutzmaßnahmen.

Das Bild zeigt Dr. Maximilian Austerjost vom Fraunhofer IML beim Kongress.
© Phil Dera
Das Bild zeigt das Podium auf dem Kongress.
© Phil Dera
Das Bild zeigt Besuchende des Kongresses.
© Phil Dera

ForestGuard auf der Jahrestagung der Exportinitiative Umweltschutz

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) lud Anfang September zur Jahrestagung 2024 der Exportinitiative Umweltschutz ein - rund 100 Teilnehmer sind der Einladung gefolgt.

Am 5. und 6. September fand die Jahrestagung der Exportinitiative Umweltschutz (EXI) in den Räumen der Projektträgerin ZUG gGmbH in Berlin statt. Vertreterinnen und Vertreter der GreenTech-Branche, aus Foschungs- und Bildungseinrichtungen von NGOs, aus angrenzenden Ministerien und von Partnerorganisationen besuchten die zweitägige Veranstaltung und nutzen die Gelegenheit zum Erfahrungs- und Wissenstransfer.

Für das Fraunhofer IML war Roman Koller, Leiter des Projekts ForestGuard, vor Ort und konnte in mehreren Impulsvorträgen und im Austausch mit den Teilnehmern die Chancen der Kombination von Open Source Software, Green Tech und Transparenz in Lieferketten diskutieren und über das Projekt ForestGuard informieren. Neben technischen Innovationen ging es auch um praktische Herausforderungen, etwa bei der Anschlussfinanzierung von Projekten um einen Praxistransfer zu ermöglichen.

Gruppenbild mehrerer Personen bei der Veranstaltung EXI-Jahrestagung
© ZUG - Toni Kretschmer
Roman Koller spricht bei der Veranstaltung Exportinitiative Umweltschutz
© ZUG - Toni Kretschmer
Plakat der Exportinitiative Umweltschutz GreenTech Made in Germany
© ZUG - Toni Kretschmer

ForestGuard vor Ort:
Für den European Green Deal auf den Kaffeeplantagen in Peru

Im Rahmen des vom Bundesumweltministerium (BMUV) geförderten Projektes ForestGuard machte sich ein wissenschaftliches Team des Fraunhofer IML Mitte Juli auf den Weg nach Pichanaki in der Region Junín, im Peruanischen Regenwald.

Ziel war es, Wege und Möglichkeiten für die Nachweisführung von entwaldungsfreien (Agrar-)Lieferketten am Beispiel Kaffee zu untersuchen. Entwaldungsfreie Lieferketten werden für Hersteller und Händler von diversen Agrar-Produkten, darunter Kaffee, bei Im- & Export, sowie Bereitstellung auf dem EU-Markt ab 30. Dezember 2024 verpflichtend. Wie die Umsetzung dieser EU-Anti-Entwaldungsverordnung (EUDR) konkret erfolgen soll und unterstützt werden kann, soll das Fraunhofer IML untersuchen.

Das Team begleitete hierfür vor Ort die gesamte Prozesskette, von Kaffeeanbau und Ernte auf den lokalen Kaffee-Plantagen, über Nassaufbereitung, Trocknung und Qualitätskontrolle, bis hin zu Verpackung und Versandvorbereitung für die Verschiffung nach Europa. Dabei wurden erste Lösungsansätze und Konzepte validiert und zudem viele Erkenntnisse aus dem Alltag der Kaffeebauern aufgenommen, welche direkt in die weitere Entwicklung einfließen. Um die Eindrücke aus erster Hand zu gewinnen und die Abläufe zu durchdringen konnten die Mitarbeiter des Instituts zudem bei der Kaffeeernte sowie bei Aufforstungsmaßnahmen mitwirken.

Im Rahmen von zusätzlichen Infoveranstaltungen wurde die EUDR und das Projekt ForestGuard vorgestellt. Durch eine Reihe von Interviews mit Kaffeebauern und Mitarbeitern der lokalen Kaffeekooperative, die den qualitativ hochwertigen, von Hand geernteten Kaffee von über 600 Bauern aus der Region bündelt, wurden tiefe Einblicke in die Abläufe und die Auswirkungen der EUDR auf die kleinbäuerlichen Produzenten im Ursprungsland gewonnen.

Die Forschungsreise hat deutlich gemacht, dass für die erfolgreiche, ehrliche und faire Umsetzung derartiger Verordnungen aus Europa heraus, konkrete Unterstützung und ein realistischer Blick auf die konkreten Bedingungen vor Ort notwendig sind. Für das Institut sowie das Projektteam ist dies Ansporn und Verpflichtung zugleich ForestGuard erfolgreich umzusetzen.

Das Gruppenbild zeigt die Kaffeebäurerinnen und Kaffebauern, sowie die Forschenden des Fraunhofer IML auf der Plantage im Peruanischen Regenwald.
© Fraunhofer IML
Das Gruppenbild zeigt die Kaffeebäurerinnen und Kaffebauern, sowie die Forschenden des Fraunhofer IML vor einem Haufen ungerösteter Kaffebohnen.
© Fraunhofer IMl
Das Bild zeigt den regenverhangenen peruanischen Regenwald.
© Fraunhofer IML

Zweites Konsortialtreffen

Das Forschungsprojekt ForestGuard , das sich der Herausforderung stellt, die von der Europäischen Anti-Entwaldungsverordnung (EUDR) geforderten Standards für Transparenz und Sicherheit von entwaldungsfreien Produkten mittels Blockchaintechnologie zu implementieren, hat erfolgreich seine erste Phase abgeschlossen.

Am 17.05.2024 fand das Konsortialtreffen in den Räumlichkeiten der Schirmer Kaffee GmbH in Dortmund statt. Hier wurden die Ergebnisse der ersten Projektphase präsentiert, welche die Erhebung der Anforderungen und die Ausarbeitung technischer Konzepte umfasste. Die Präsentationen wurden durch wertvolle Informationen, Anregungen und Einblicke der anwesenden Projektpartner bereichert.

Zu den Teilnehmenden gehörten namhafte Persönlichkeiten aus Industrie und Forschung, darunter Herr Markus Zombek, Geschäftsführer der Schirmer Kaffee GmbH, Frau Nilgün Parker vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUV), Herr Dr. Matthias Polak von Zukunft-Umwelt-Gesellschaft (ZUG) gGmbH, Herr Dr. Klaus Wirbel und Herr Dirk Heim von der REWE Group, Frau Katrin Töpfer von der Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) und Univ.-Prof. Dr. habil. Dr. h. c. Michael Henke.

Die Bedeutung entwaldungsfreier Produkte im Kontext der Nachhaltigkeit wurde durch die konstruktiven Diskussionen und das Engagement der Projektpartner deutlich unterstrichen. Ein besonderes Highlight des Treffens war die Führung durch die Produktionsanlagen von Schirmer Kaffee, die den Gästen einen praktischen Einblick in die Verarbeitung von Kaffee gewährte.

Im weiteren Verlauf des Projekts ist ein Besuch bei Kaffeebauern in Peru geplant, die ebenfalls von der EUDR betroffen sind. Zudem wird angestrebt, die im Rahmen von ForestGuard  entwickelten Softwarekomponenten als Open Source-Lösung bereitzustellen, um auch kleinen und mittelständischen Unternehmen einen leichteren Zugang zu den Werkzeugen für die Einhaltung der EUDR zu ermöglichen.

Das Gruppenbild zeigt die Teilnehmemden des Konsortialtreffens in einer Kafferösterei.
© Fraunhofer IML
Das Bild zeigt die Teilnehmemden des Konsortialtreffens in einer Kafferösterei.
© Fraunhofer IML
Das Bild zeigt den Institutsleitenden Univ.-Prof. Dr. habil. Dr. h. c. Michael Henke beim Konsortialtreffen.
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Erstes Projekttreffen

Am 29. Januar 2024 fand das erste Projekttreffen des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) geförderten Projekts ForestGuard am Fraunhofer IML in Dortmund statt.

ForestGuard hat zum Ziel, direkt betroffene Unternehmen in der EU, wie auch Stakeholder in Erzeugerländern bei der Einhaltung der Vorgaben der Anti-Entwaldungsverordnung der Europäischen Union (EUDR) zu unterstützen. Durch eine umfassende Integration von Daten über die gesamte Lieferkette – von der Plantage bis zum Handel – wird am Beispiel einer Kaffee-Lieferkette Transparenz und Rückverfolgbarkeit wichtiger, EUDR-relevanter Informationen sichergestellt.

Die Implementierung der Blockchain-Technologie schafft einen »Single Point of Truth« (SPoT), der eine unveränderliche Integrität der Daten gewährleistet. Die Steuerung von Zugriffen ermöglicht dabei gezielte Einblicke für Unternehmen oder Behörden, während die Entscheidung für Open Source-Lösungen die Skalierbarkeit des Systems maßgeblich unterstützt.

Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des BMUV, des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und den Partnerunternehmen Rewe Group und Schirmer Kaffee GmbH konnten die Herausforderungen aus der EUDR näher beleuchtet und diskutiert werden. Ebenfalls wurden erste Zwischenergebnisse und der Fokus des Projektes erörtert. Neben dem Schwerpunkt auf der Übertragbarkeit auf andere EUDR-relevante Erzeugnisse wurde von den knapp 30 Teilnehmern insbesondere der Open Source-Charakter des ForestGuard -Lösungsansatzes als Gegenwicht zu kommerziellen Ansätzen betont.

Neben den positiv aufgenommenen Zwischenergebnissen wurden auch strategische Planungsschritte für die im Sommer bevorstehende Implementierungsphase diskutiert. Die Unterstützung durch das BMUV sowie die enge Zusammenarbeit mit erfahrenen Praxispartnern unterstreichen die Relevanz von ForestGuard im Kontext globaler Umweltveränderungen und des großen Handlungsdrucks für Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit und Transparenz in Lieferketten, der sich unter anderem in der EUDR niederschlägt.

Eine Führung durch die Forschungshallen des Fraunhofer IML und des Lehrstuhls für Förder- und Lagerwesen (FLW) der TU Dortmund rundete den produktiven Austausch am Nachmittag ab. Ein Nachfolgetreffen im Frühjahr ist bereits in Planung.

Das Gruppenbild zeigt das erste Projekttreffen des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) geförderten Projekts Forest Guard.
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Das Bild zeigt die Teilnehmenden des Projekttreffens in einer der Forschungshallen des Fraunhofer IML.
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Das Bild zeigt die Teilnehmenden des Projekttreffens in einer Besprechungssituation, bei der auch online Teilnehmende anwesende sind.
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Das Bild zeigt das Logo des  Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.