Hintergrundgespräch »Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Dortmund«

Industrie 4.0 ist nicht nur für »die Großen«

Pressemitteilung / 30.8.2016

Seit Mai 2016 haben kleine und mittlere Unternehmen in Nordrhein-Westfalen eine kostenlose Anlaufstelle, wenn es um die Digitalisierung ihrer Produkte und Prozesse geht: das »Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Dortmund«. In einem Hintergrundgespräch im Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML haben sich am Dienstag, den 30. August, Vertreter des Kompetenzzentrums, der lokalen Wirtschaft sowie der Politik über die Herausforderungen ausgetauscht, die die Entwicklungen rund um Industrie 4.0 für den Mittelstand nach sich ziehen.

Industrie 4.0 bringt neue Geschäftsmodelle und erhebliche Optimierungspotenziale in Produktion und Logistik mit sich. Dabei ist die Digitalisierung jedoch nicht allein Erfolgsfaktor für große Unternehmen, sondern auch für regionale und lokale Mittelständler. Darum lag der Fokus des Hintergrundgesprächs im Fraunhofer IML auf der Digitalisierung im lokalen und regionalen Mittelstand.

»Ein Großteil kleiner und mittlerer Unternehmen erkennt das Potenzial von Industrie 4.0, doch wird bei der Umsetzung gezögert. Gerade für den mittelstandsgeprägten Wirtschaftsstandort Deutschland ist es entscheidend, dass der Mittelstand seine vorhandenen Potenziale nutzt und sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellt. Daher haben wir mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Dortmund eine kompetente Anlaufstelle geschaffen, die Unternehmen in allen Fragen rund um Industrie 4.0 unterstützt«, erklärt Prof. Dr. Michael Henke, Institutsleiter am Fraunhofer IML.

Doch welche Einstellung vertritt der Mittelstand zum Thema Industrie 4.0? Und welche Risiken sehen lokale Unternehmen? Diese Fragen diskutierten Vertreter der micronit GmbH und der Fritz Rensmann GmbH & Co., zweier Unternehmen aus Dortmund. Der Frage, wie das Kompetenzzentrum konkret helfen kann, die Wirtschaftsstandorte Dortmund und NRW im Hinblick auf die Digitalisierung zu stärken, stellten sich Prof. Dr. Michael Henke als Vertreter des Kompetenzzentrums sowie Sabine Poschmann, Beauftragte der SPD-Bundestagsfraktion für den Mittelstand und das Handwerk.

»Die Herausforderung ist nicht nur, den Kunden über Social Media anzusprechen, sondern auch der eigene Anspruch, die steigenden individuellen Kundenprozesse mit kurzen Reaktionszeiten, kurzen Lieferzeiten und einem günstigen Preis international zu transferieren. Dazu benötigen wir im Mittelstand professionelle Unterstützung«, unterstrich Dominique Bouwes, Vertreterin und Business Director der micronit GmbH, die sich auf Projekte in der Mikro- und Nanotechnologie spezialisiert hat, im Rahmen des Gesprächs. Darum interessiere sich das Unternehmen für die Angebote des Kompetenzzentrums.

Bereits ein Projekt beantragt hat hingegen Dr. Fritz Rensmann, Vertreter und Geschäftsführer der Firma Rensmann, die zu den letzten Herstellern von Grubenlokomotiven in Deutschland gehörte und sich heute mit der Reparatur und Wartung von Loks und Triebzügen befasst. »Industrie 4.0 wird zukünftig nahezu jeden Industriezweig beschäftigen. Als kleineres mittelständisches Unternehmen sind wir auf Partner angewiesen, die Herausforderungen vor allem bei der Integration neuer Techniken neben dem Tagesgeschäft zu meistern. Nur nebenbei – das funktioniert nicht«, so Rensmann. Das Projekt mit dem Namen »Mobile Devices und Apps in der Produktionsplanung« soll die Mitarbeiter frühzeitig in den Digitalisierungsprozess einbinden. So soll z. B. vor und nach jedem Arbeitsschritt mit einem Mobile Device ein Barcode gescannt und damit die Datenerfassung vereinfacht werden.

Sabine Poschmann, stellvertretende wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion: »Die Gespräche haben gezeigt, dass die Zentren eine gute Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums sind. Sie stehen dem Mittelstand praxisnah mit Rat und Tat zur Seite und geben Unternehmern Anregungen für ihre spezifischen Geschäftsmodelle. Ich kann Unternehmern in Dortmund und Umgebung nur empfehlen, dieses Angebot in Anspruch zu nehmen. Erkundigen Sie sich, was für Potenziale in Ihrem Unternehmen schlummern oder wie Sie die nächsten Schritte angehen können.«

Das »Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Dortmund« bereitet die Themen Digitalisierung und Vernetzung für kleine und mittlere Unternehmen in NRW auf und erarbeitet kostenlose und praxisorientierte Angebote, um sie gemeinsam umzusetzen. Das Kompetenzzentrum ist Teil der Förderinitiative »Mittelstand 4.0 – Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse«, die im Rahmen des Förderschwerpunkts »Mittelstand-Digital – Strategien zur digitalen Transformation der Unternehmensprozesse« vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird.

Im Rahmen des Hintergrundgesprächs im Fraunhofer IML kamen die Teilnehmer zu dem Schluss, dass keine disruptiven Veränderungen von heute auf morgen nötig sind, um sich den Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen. Oftmals seien kleine Schritte der Schlüssel zum Erfolg. Vor diesem Hintergrund können sich kleine und mittlere Unternehmen ohne Hemmnisse an das Kompetenzzentrum wenden – und das kostenlos.  

Weitere Informationen zum Kompetenzzentrum unter: https://www.digital-in-nrw.de/de/