DUH-IT: Digitale Nachweise für die Wasserstoffwirtschaft

Die Wasserstoffwirtschaft steht vor der Aufgabe, Herkunft und Nachhaltigkeit von grünem Wasserstoff belastbar nachzuweisen. Im Projekt DUH-IT entwickelt das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik mit H2-Trust eine Open-Source-Lösung auf Blockchain-Basis, die Nachweisprozesse entlang der Lieferkette digitalisiert, RFNBO-Anforderungen der RED III prüft und einen digitalen Produktpass erzeugt. Ergänzend stärkt ein breites Befähigungsangebot Unternehmen bei Qualifikation und Umsetzung.

Das Bild zum Thema DUH-IT Digitale Nachweise für die Wasserstoffwirtschaf zeigt mehrere weiße kugelförmige H2-Druckbehälter am Ufer mit Meer im Hintergrund; auf den Tanks steht H2
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Projektziel: Transparente Wasserstoffwirtschaft

Grüner Wasserstoff bildet einen zentralen Baustein der Energiewende und der Dekarbonisierungsziele in Deutschland. Die nationale Strategie setzt auf eine hybride Versorgung: Produktion aus erneuerbaren Energien im Inland und ergänzende Importe. In der EU legt die RED III fest, unter welchen Bedingungen Wasserstoff als RFNBO »Renewable Fuel of Non-Biological Origin« gilt und ab spätestens 2030 als nachhaltig anerkannt wird. Als Referenz dient der digitale Produktpass, der in der EU für Batterien eingeführt wurde.

DUH-IT verfolgt das Ziel, mit H2-Trust einen offenen, blockchainbasierten Herkunftsnachweis für grünen Wasserstoff in der Praxis nutzbar zu machen. Die Lösung standardisiert und automatisiert die Nachweisführung entlang der gesamten Lieferkette von der Stromerzeugung über Elektrolyse und Transport bis zur Nutzung. Sie adressiert Vorgaben zur zeitlichen und geografischen Korrelation sowie zur Allokation von Treibhausgasemissionen.

Die Ausgangslage ist komplex. Weltweit existieren zahlreiche verpflichtende und freiwillige Zertifizierungsschemata mit unterschiedlichen Anforderungen und Bewertungslogiken. Unternehmen müssen häufig zehntausende Datenpunkte erfassen, interpretieren und entlang der Lieferkette belegen. Zugleich fehlen verlässliche, konsistente Stammdaten in geeigneter Qualität. Datensilos, unterschiedliche Schnittstellen und manuelle Prozesse prägen den Austausch zwischen Energieerzeugern, Produzenten, Logistikdienstleistern, Zertifizierungsstellen und Endabnehmern. Häufig erfolgt die Übermittlung per E-Mail oder Excel-Datei. Ab 2030 werden Wasserstoffproduzenten stündlich nachweisen müssen, aus welchen Anlagen sie Strom bezogen haben und wie sich Treibhausgasemissionen über alle Prozessschritte verteilen.

Austausch zur Nachweisführung starten

Nutzen Sie unsere Forschung, um digitale Nachweise in der Wasserstoffwirtschaft zu testen.

  • Open-Source-Tool H2-Trust zur digitalen Nachweisführung entlang der Wasserstofflieferkette
  • Digitaler Produktpass pro Charge mit Angaben zu Herkunft, Produktionsbedingungen und Treibhausgasbilanz
  • Reporting View für transparente Transaktionen und belastbare Erfüllung von Dokumentationspflichten
  • Transferkreis BlockcH2ain als Netzwerk für Austausch, Feedback und Präsentation neuer H2-Trust-Funktionen
  • Interaktiver 3D-Demonstrator zur Wasserstofflieferkette mit digitalem Produktpass und Blockchain-basierter Nachweisführung

Austausch zu H2-Trust vereinbaren

Projektsteckbrief

Projekttitel DUH-IT – Blockchain in der Logistik: Innovationstransfer für die Region Dortmund–Unna–Hamm
Laufzeit

März 2024 bis Februar 2027

Fördervolumen rund 2 Mio. € 
Förderer EFRE/JTF-Programm NRW; Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen
Konsortialpartner Technische Universität Dortmund;
Assoziierte partner Digital Hub Management
Hammer Wirtschaftsförderung
IHK zu Dortmund
Impuls - Hammer Wirtschaftsagentur
open logistics foundation
tznet Dortmund
Wirtschaftsförderung Dortmund
Wirtschaftsförderung Kreis Unna
ProjektleitUNG Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML

»Mit Blockchain machen wir die Wasserstofflieferkette von der Stromerzeugung bis zur Nutzung transparent und prüfbar und schaffen damit Vertrauen in nachhaltige Lieferketten.«
Sabine Jakob, M. Sc., Projektleiterin, forscht am Fraunhofer IML zur Integration von Material-, Informations- und Finanzflüssen, um Lieferketten transparenter und effizienter zu gestalten.

H2-Trust: Digitale Lösung für die Wasserstoffwirtschaft

H2-Trust bildet die Nachweisführung entlang der gesamten Wertschöpfungskette digital ab. Die Lösung startet an der erneuerbaren Stromerzeugungsanlage und erfasst Anlageninformationen, Erzeugungsmengen und Zeitreihen. Diese Daten verknüpft sie mit Prozessdaten der Elektrolyse, mit Transport- und Umwandlungsschritten und mit der finalen Nutzung. So entsteht eine durchgängige Kette von Herkunftsdaten und Emissionswerten.

Alle relevanten Informationen fließen in einen digitalen Produktpass ein, der jeder abgefüllten Charge zugeordnet wird. Der Produktpass enthält Angaben zu Herkunft, Produktionsbedingungen und Treibhausgasbilanz. Abnehmer erhalten damit eine gebinde-genaue Rückverfolgbarkeit und Transparenz über die Nachhaltigkeit des eingesetzten Wasserstoffs.

Eine Reporting View fasst alle Transaktionen eines definierten Zeitraums zusammen und stellt eine belastbare Basis für Nachweispflichten bereit. Die Anwendung prüft automatisch Kriterien der RED III wie zeitliche und geografische Korrelation sowie Zusätzlichkeit. Die Blockchain-Architektur speichert die Daten manipulationssicher und unveränderbar. Erste Komponenten wurden im Dezember 2025 Open Source veröffentlicht; bis Anfang 2027 folgen weitere Entwicklungsstände. Der Open-Source-Ansatz stellt sicher, dass Unternehmen H2-Trust an Zertifizierungssysteme, regionale Besonderheiten und eigene IT-Infrastrukturen anpassen können. 

Open-Source und Wissenstransfer nutzen

Unternehmen der Wasserstoffwirtschaft und der Logistik können H2-Trust und die begleitenden Befähigungsangebote kostenfrei kennenlernen.

 

  • Open-Source-Code und Dokumentation über den GitHub-Account von Fraunhofer IML
  • Projektwebsite www.duh-it.de mit Lern-Center, Blockchain-Quickcheck, Veranstaltungskalender und Informationsmaterial
  • Transferkreis BlockcH2ain als regelmäßiges Netzwerktreffen zu H2-Trust und digitalen Produktpässen

Open-Source-Komponenten und Lernangebote abrufen

Interaktiver 3D-Demonstrator für Wasserstofflieferketten

Der interaktive 3D-Demonstrator macht die Lieferkette von grünem Wasserstoff physisch erlebbar. Eine 3D-gedruckte Landschaft auf einem Podest bildet Stromerzeugung, Elektrolyse und Nutzung ab. Über Schalter steuern Besuchende Windkraft- und Photovoltaikanlagen sowie den Elektrolyseur. Parallel zeigt eine Web-Oberfläche Strom- und Wasserstoffproduktion in Echtzeit. Ein QR-Code führt direkt zum digitalen Produktpass auf Smartphone oder Tablet.

Der Demonstrator zeigt die Besonderheiten einer digitalen Nachweisführung: Er verknüpft jede produzierte Wasserstoffmenge mit ihrer konkreten Stromquelle, stellt die zeitliche Korrelation zwischen Strom- und Wasserstoffproduktion dar und erzeugt einen eindeutigen Fingerabdruck des Wasserstoffs. So wird sichtbar, wie sich Wasserstoff bis zur Quelle zurückverfolgen lässt und wie automatische Datenerfassung manuelle Dokumentation entlang der Lieferkette ersetzt.

Blockchain-Kompetenzen für Logistik und Wasserstoff

DUH-IT stärkt insbesondere kleine und mittlere Unternehmen der Region Dortmund–Unna–Hamm beim Aufbau von Blockchain-Kompetenzen, die sich gezielt in Logistikprozessen und in der Wasserstoffwirtschaft einsetzen lassen. Ein abgestimmtes Transferprogramm verbindet Sensibilisierung, Qualifikation und Konzeption.

Formate wie die digitale Mittagspause »Blockchain Lunch«, die interaktive »Blockchain Gameshow«, Einführungs- und Impulsvorträge, Lab-Touren durch die Forschungslabore und die Blockchain-Sprechstunde in Kooperation mit der IHK zu Dortmund senken Einstiegshürden. Sie vermitteln Grundlagen, zeigen Anwendungsbeispiele aus Logistik und Wasserstoff und ermöglichen den direkten Austausch mit Fachleuten.

Für vertiefenden Wissenserwerb stehen ein Blended-Learning-Kurs, ein Blockchain Glossar und das kostenfreie, barrierefreie DUH-IT Lern-Center bereit. Das Lern-Center umfasst Lernmodule zur Blockchain-Technologie und beinhaltet auch Inhalte zum digitalen Produktpass. Ergänzend bieten Potenzialanalysen, ein Concept Lab, Coding-Workshops zur Entwicklung von Smart Contracts sowie ein Use-Case-Deck mit 18 praxisrelevanten Anwendungsszenarien konkrete Unterstützung bei der Konzeption eigener Projekte. 

Weiterführende Informationen:

Gefördert durch:

Das Bild zeigt die Logos der Europäischen Union sowie des NRW Ministeriums fürMinisterium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie.