RE.build – zirkuläres Bauen im Kreis Recklinghausen

RE.build entwickelt im Kreis Recklinghausen ein praxisnahes Modell für zirkuläres Bauen in kommunalen Strukturen. Im Mittelpunkt steht ein Reallabor im Neubau der Kreishandwerkerschaft, das 30–60 Prozent reale Re-Use-Bauteile integriert und ein CO₂-Budget erprobt. Eine digitale Plattform, ein physisches Bauteillager, Bildungsangebote sowie Governance-Bausteine greifen ineinander. Die Projektpartner untersuchen, wie eine zirkuläre Bauwirtschaft organisatorisch, logistisch und digital verankert werden kann.

Die Baustelle eines Gebäudes neben dem ein Kran steht.
© diesirae - stock.adobe.com

Projektziel und Herausforderungen im zirkulären Bauen

Projektziel von RE.build ist der Aufbau eines übertragbaren Systems für zirkuläres Bauen im Kreis Recklinghausen. Kern ist die systematische Wiederverwendung von Bauteilen im kommunalen Neubau der Kreishandwerkerschaft statt Abriss mit anschließender Nutzung von Primärrohstoffen.

Das Vorhaben adressiert mehrere Herausforderungen. Rückbau und Neubau verlaufen zeitlich entkoppelt, Materialflüsse lassen sich ohne Lager kaum steuern. Gebrauchte Bauteile benötigen geprüfte Nachweise, etwa zu Tragfähigkeit oder Brandschutz. Planende, Handwerksbetriebe, Verwaltung und Bauhöfe arbeiten mit unterschiedlichen Routinen, Vergaberegeln und IT-Systemen.

RE.build reagiert darauf mit einem Reallabor, einer praxistauglichen Lager- und Plattformstruktur sowie Governance-Ansätzen. Das Projekt schafft damit eine Grundlage, um Kreislaufwirtschaft im Bauwesen in kommunale Prozesse einzubetten.

Nutzen Sie RE.build als Orientierung für eigene Kreis- und Stadtprojekte.

Unser Institut stellt Ihnen mit RE.build ein praxisnahes Forschungsangebot für zirkuläres Bauen zur Verfügung.

  • Konzeption und Aufbau eines physischen Bauteillagers mit modularer Struktur, das Annahme, Sortierung, Einlagerung, Aufbereitung und Bereitstellung gebrauchter Bauteile erprobt.
  • Entwicklung einer digitalen Plattform zur Erfassung, Bewertung und Vermittlung von Bauteilen zwischen Rückbau, Lager, Planung, Ausschreibung und Bauarbeiten.
  • Erstellung Re-Use-spezifischer Ausschreibungsunterlagen sowie CO₂-Budgets im Reallabor.
  • Aufbau von Bildungs- und Qualifizierungsangeboten für Handwerk, Planende, Verwaltung und baukulturell interessierte Bürger:innen.
  • Entwicklung von Governance- und Betreibermodellen, die eine Verstetigung von Lager, Plattform und Netzwerk nach Projektende vorbereiten.

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Projektsteckbrief

Projekttitel

RE.build – Pionierprojekt für eine zirkuläre Bauwirtschaft im Kreis Recklinghausen

Laufzeit 15.04.2026 – 28.02.2029
Förderer Förderwettbewerb »Circular Economy – CircularCities.NRW«
KooperationSpartner
Kreis Recklinghausen (Konsortialführer)
Stadt Recklinghausen
Kommunale Servicebetriebe Recklinghausen (KSR)
Kreishandwerkerschaft Recklinghausen
Baukreisel e.V.
celano GmbH
Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML
Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH (Difu)
Projektleitung Kreis Recklinghausen

»Zirkuläres Bauen ist für viele Architekten, Planer und Handwerker noch Neuland. Der Einsatz gebrauchter Materialien erfordert ein Umdenken und ist zunächst mit zahlreichen technischen, organisatorischen und rechtlichen Fragen verbunden. «
Anna Preut M. Sc. forscht am Fraunhofer IML zu zirkulärem Bauen

Die Lösung: integrierte Infrastruktur für zirkuläres Bauen

RE.build verbindet drei Stränge zu einer integrierten Lösung: Reallabor, Infrastruktur sowie Netzwerk und Governance. Im Reallabor entsteht der Neubau der Lehrwerkstatt der Maler- und Lackierer-Innung mit 30–60 Prozent real verfügbaren Re-Use-Bauteilen. Ein CO₂-Budget steuert die Planung und prüft Re-Use-fähige Ausschreibungen.

Parallel konzipiert das Fraunhofer IML ein physisches Bauteillager. Bedarfs- und Standortanalyse, Anforderungskatalog und modulare Lagerstruktur bilden die Grundlage. Ein temporärer Pilotstandort als »Minimum Viable Lager« ermöglicht Testläufe unter Praxisbedingungen.

Eine digitale Plattform verknüpft Lager, Reallabor und kommunale Tools. Sie erfasst Bauteile, bildet Lagerplätze ab, integriert BIM-Modelle und zeigt CO₂-Werte sowie Verfügbarkeitszeiträume.

Governance- und Bildungsbausteine flankieren diese Infrastruktur. Die Kreishandwerkerschaft entwickelt Qualifizierungsangebote. Kreisverwaltung und Difu arbeiten an Governance-Modellen, die Rollen, Prozesse und Verstetigung definieren. 

RE.build-Transfer: Projektergebnisse für Ihre Praxis nutzen

Die Projektpartner bereiten mehrere Transferprodukte für Praxis, Verwaltung und Forschung vor.

  • Pilothandbuch mit Leitlinien, Standards und Handlungsempfehlungen zur Integration zirkulärer Prinzipien in kommunale Bauprozesse.
  • Governance-Transferbericht mit übertragbaren Ansätzen für andere Kreise und Kommunen.
  • Handbuch interkommunale Zusammenarbeit im Kontext Circular Economy mit Verstetigungsansätzen für zirkuläres Bauen.
  • Policy Paper zur Übertragbarkeit der entwickelten Strukturen und Prozesse auf weitere Regionen.
  • Wissenschaftliche Publikationen und Fachbeiträge zur Verbreitung der Projektergebnisse.

Austausch zu RE.build vereinbaren

Reallabor für zirkuläres Bauen

Das Reallabor entsteht als Neubau der Lehrwerkstatt der Maler- und Lackierer-Innung in Recklinghausen. Das Planungsteam entwirft ein Gebäude, das Trennbarkeit, Demontierbarkeit und Mehrfachnutzung berücksichtigt. Die Entwurfs- und Ausführungsplanung integriert 30–60 Prozent real verfügbare Re-Use-Bauteile.

Zu Beginn erfolgt eine Bedarfsermittlung mit Analyse der Raumfunktionen. Daraus leitet das Projekt qualitative Ziele ab, etwa Flächen- und Mehrfachnutzung. In der Grundlagenermittlung gleichen die Beteiligten Anforderungen mit verfügbaren Materialien im Bauteillager sowie in der digitalen Plattform ab. Materialien aus dem RE.build-Prozess der Kreishandwerkerschaft werden aufgenommen, dokumentiert und für die spätere Integration in die Plattform aufbereitet.

In der Entwurfs- und Genehmigungsplanung entstehen Varianten, die reale Re-Use-Bauteile einbeziehen. Das Team klärt technische und genehmigungsrechtliche Anforderungen im Dialog mit Prüfstellen und Behörden. In der Ausführungsplanung folgen detaillierte Re-Use-spezifische Leistungsbeschreibungen für die Ausschreibung.

Alle Planungsentscheidungen dokumentiert das Projekt systematisch. Die Ergebnisse fließen in Schulungsformate, Wissenstransfer und künftige Bauvorhaben ein. Das Reallabor bildet damit ein skalierbares Modell für zirkuläres Bauen in kommunalen Neubauprojekten.

Logistik und Betrieb des Re-Use-Bauteillagers

Zwei eng verzahnte Projektbausteine bilden den logistischen Kern von RE.build. Das Fraunhofer IML entwickelt die Konzeption des physischen Bauteillagers. Anhand einer Bedarfs- und Standortanalyse werden Mengengerüste und Stoffströme auf Basis von Abfallstatistiken, Daten zum Gebäudebestand sowie Interviews mit Entsorgungs- und Abbruchunternehmen ermittelt. Darauf aufbauend entsteht ein Anforderungskatalog für geeignete Flächen im Kreisgebiet.

Das Team systematisiert die Güter, definiert Kreislaufführungsoptionen und entwirft eine modulare Lagerstruktur mit Bereichen für Anlieferung, Sortierung, Ein- und Auslagerung. Schnittstellen zur digitalen Plattform legen Mindestanforderungen für Datenqualität und Buchungen fest. Ein temporärer Pilotstandort als »Minimum Viable Lager« dient zur Erprobung von Annahme, Erfassung, Einlagerung, Kommissionierung sowie Auslagerung.

Baukreisel e.V.(Link) verantwortet den Betrieb des Re-Use-Lagers. Standardisierte Prozesse steuern Lagerlogistik, Materialhandling, Qualitätssicherung und Nachweisführung. Regionale Handwerksbetriebe übernehmen Materialprüfung, Aufbereitung und Handling. Just-in-time bereitgestellte Bauteile versorgen das Reallabor sowie weitere Bauvorhaben.

Monitoringprozesse erfassen Lagerumschlag, Aufbereitungsaufwand, Transportwege, CO₂-Einsparungen sowie Wiederverwendungsquoten. Das Konsortium entwickelt Geschäfts- und Betreibermodelle, die kommunale, interkommunale und öffentlich-private Trägerschaften prüfen. 

Digitale Plattform als regionale Bauteilbörse

Eine digitale Plattform verbindet das physische Lager mit Planung, Ausschreibung und Ausführung. Zu Projektbeginn analysiert das Projektteam relevante Nutzergruppen wie Verwaltung, Lagerbetreibende, Handwerksbetriebe und Privatwirtschaft. Daraus entstehen Rollen, Zugriffsstufen und ein Funktionskatalog für die spätere Anwendung.

Ein Datenmodell beschreibt die wichtigsten Eigenschaften der Bauteile und bildet die Grundlage für die digitale Verwaltung. Schnittstellen verbinden Lagerverwaltung, BIM-Modelle und kommunale Anwendungen.

Die Plattform zeigt verfügbare Bauteile, Lagerorte, Zeiträume und relevante CO₂-Werte. Sie wird für die Nutzung am Desktop und mobil vorbereitet; weitere Anbindungen an bestehende Systeme werden geprüft.

Im Testbetrieb nutzt das Reallabor die Plattform zur Planung und Bauteilauswahl. Parallel fließen Erfahrungen aus Handwerk, Verwaltung und Planung in die iterative Weiterentwicklung ein. Auf Basis eines Betriebsmodells und eines Finanzierungskonzepts entsteht eine übertragbare digitale Bauteilbörse für kommunale Stoffströme.

Weiterführende Informationen zu zirkulärem Bauen und Circular Economy im Bausektor

RE.build bündelt mehrere Kompetenzfelder, die für Circular Economy im Bausektor relevant sind. Das Reallabor liefert Erfahrungen zur Integration von Re-Use-Bauteilen, CO₂-Budgets und Re-Use-spezifischen Ausschreibungen. Das physische Lager bietet Know-how zu Bedarfsanalyse, Standortwahl, Lagerstruktur, Materialhandling und Monitoring von Stoffströmen.

Die digitale Plattform entwickelt ein skalierbares Daten- und Systemdesign mit Mandantenfähigkeit, Schnittstellen zu BIM, Lagerverwaltung und kommunalen Tools. Schulungs- und Qualifizierungsangebote adressieren Handwerk, Planende, Verwaltung sowie baukulturell Interessierte.

Netzwerke und Governance stehen im Mittelpunkt des Vorhabens. Ein*e Circular Economy Beauftragte:r koordiniert das Projekt. Ein Arbeitskreis »Zirkuläres Bauen« schafft dauerhafte Austauschformate. Das Governance-Design analysiert Verwaltungsstrukturen, entwickelt Organisationsmodelle und bereitet Handbücher, Evaluationsberichte sowie Policy Paper vor. Die Ergebnisse unterstützen eine regionale Kreislaufwirtschaft im Bauwesen und lassen sich an europäische Rahmenwerke wie die CCRI - Circular Cities and Regions Initiative anknüpfen.

Logistikexpertise des Fraunhofer IML im Projekt RE.build

Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML übernimmt im Projekt RE.build die Federführung für die Konzeption und den Aufbau des physischen Bauteillagers. Das Institut ermittelt Mengengerüste, analysiert regionale Stoffströme und erstellt einen Anforderungskatalog für Lagerstandorte im Kreis Recklinghausen. Darauf aufbauend konzipiert das Team eine modulare Lagerstruktur, die Anlieferung, Sortierung, Ein- und Auslagerung umfasst. Außerdem entwickelt das Fraunhofer IML Schnittstellen zwischen Lagerbetrieb und digitaler Plattform, legt Mindestanforderungen für Datenflüsse fest und prüft den Einsatz eines Lagerverwaltungssystems. Ein temporärer Pilotstandort dient zur Erprobung standardisierter Soll-Prozesse, etwa für Wareneingang, Dokumentation, Kommissionierung und Auslagerung.

Das Fraunhofer IML unterstützt zudem den Aufbau der Lagerlogistik sowie die Entwicklung eines Leitfadens zur Materialhandhabung. Darüber hinaus entsteht ein Monitoringkonzept, das Umweltwirkungen wie CO₂-Einsparung und Wiederverwendungsquoten erfasst.

Im Governance-Bereich des Projekts bringt das Institut seine Erfahrungen aus Materialflussanalyse und Logistikorganisation ein. Es unterstützt bei Prozessmapping, der Entwicklung tragfähiger Governance-Strukturen und der Ausarbeitung von Handlungsempfehlungen zur institutionellen Verankerung zirkulärer Materialflüsse.

Governance und Netzwerk im Kreis Recklinghausen

Der Kreis Recklinghausen richtet eine Stelle als Circular Economy Beauftragte:r ein. Diese Koordinationsstelle bündelt das Gesamtvorhaben. Sie stimmt Reallabor, Lager, Plattform sowie Bildungsbausteine ab und sorgt für die Einhaltung von Zielen, Zeitplänen und Meilensteinen.

Ein interkommunaler Arbeitskreis »Zirkuläres Bauen im Kreis Recklinghausen« bringt Kommunen, Handwerk, Planungsträger, Bauhöfe und Zivilgesellschaft zusammen. Der Arbeitskreis dient dem Erfahrungsaustausch, der Abstimmung von Anforderungen und der Entwicklung gemeinsamer Strategien. Die celano GmbH gestaltet Formate mit und stärkt den Austausch über Themen der Circular Economy.

Das Deutsche Institut für Urbanistik übernimmt die Federführung für Governance-Strukturen. Es analysiert Verwaltungsprozesse in Planung, Genehmigung, Beschaffung, Liegenschaftsmanagement sowie Klima- und Nachhaltigkeitsmanagement. Auf dieser Basis entstehen Organisationsmodelle mit klar definierten Rollen und Entscheidungswegen.

Ein Pilothandbuch, ein Evaluationsbericht, ein Governance-Transferbericht sowie ein Handbuch interkommunale Zusammenarbeit dokumentieren die Ergebnisse. Ergänzend entstehen Policy Paper und wissenschaftliche Beiträge. Das Projekt entwickelt so eine Governance-Struktur, die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen langfristig im Kreis Recklinghausen verankert. 

Gefördert durch

Förderwettbewerb »Circular Economy – CircularCities.NRW«