Digitaler Produktpass in der EU: Datenmanagement und Service-Potenziale für produzierende Unternehmen

Der Digitale Produktpass in der EU wird ab 2027 für bestimmte Produktgruppen verpflichtend. Die EU Ökodesign Verordnung schreibt vor, dass Hersteller und Importeure umfassende Produktinformationen digital bereitstellen.

Das Forschungsprojekt EmpowerDPP entwickelt Lösungen für effizientes Datenmanagement und identifiziert Service-Potenziale. Es unterstützt produzierende Unternehmen dabei, technische und organisatorische Herausforderungen zu bewältigen und gleichzeitig neue Geschäftsmodelle zu erschließen.

Digitale Datenströme mit schwebenden Dokument-Icons als Symbol für den digitalen Produktpass und vernetzte Produktinformationen.
© suldev - stock.adobe.com

Projektziel: Datenmanagement und Service-Potenziale für den DPP erschließen

Das Projekt EmpowerDPP verfolgt zwei zentrale Ziele: Es entwickelt technische und organisatorische Grundlagen für das Datenmanagement des Digitalen Produktpasses und eruiert Service-Opportunitäten in der Produktionstechnik. Produzierende Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ab 2027 für bestimmte Produkte digitale Produktpässe bereitzustellen. Dies erfordert erheblichen technischen und organisatorischen Aufwand.

Unternehmen müssen Standards für Erfassung, Austausch und Verwertung relevanter Daten zwischen verschiedenen Akteuren festlegen und umsetzen. Vielen fehlt das Wissen über die Potenziale des DPP sowie über damit verbundene Service-Optionen. Zudem mangelt es an finanziellen und personellen Kapazitäten für die Umsetzung. Das Projekt schafft Abhilfe durch ein strukturiertes Datenbereitstellungskonzept, ein Readiness-Modell für die Selbsteinschätzung und konkrete Service-Szenarien, die zusätzliche Erlösquellen eröffnen.

Forschungspartner gesucht: Ihre Expertise für zukunftsfähige Lösungen

Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML entwickelt gemeinsam mit dem Fraunhofer ISST und dem Fraunhofer IWU innovative Lösungen für den DPP.

Wir bieten:

  • Entwicklung von Datenmanagement-Konzepten für den Digitalen Produktpass
  • Erstellung eines DPP-Readiness-Modells für produzierende Unternehmen
  • Konzeption datenbasierter Services entlang des Produktlebenszyklus
  • Wertstromanalysen für dynamische Verwertungsmodelle
  • Wissenschaftliche Begleitung und Veröffentlichung der Ergebnisse

Forschungskooperation anfragen

Projektsteckbrief

Projekttitel EmpowerDPP: Data Management meets Digital Product Passport - Towards Value Creation
Laufzeit

01.01.2026 – 31.12.2026

Förderer Fraunhofer Cluster of Excellence CCIT
KooperationSpartner Fraunhofer ISST
Fraunhofer IWU
Fraunhofer IML
ProjektleitUNG Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST

»Durch die Forschungskooperation von Fraunhofer ISST, Fraunhofer IWU und Fraunhofer IML bündeln wir unsere Expertise zu Datenökosystemen, Produktionstechnik und Logistik, um den Digitalen Produktpass in der EU wissenschaftlich fundiert voranzubringen und eine konzeptionelle Grundlage für Pilotprojekte sowie transparente, rückverfolgbare DPP-Lösungen entlang des Produktlebenszyklus zu schaffen.«
Anna Preut, M. Sc. forscht zum Digitalen Produktpass am Fraunhofer IML

Die Lösung: Strukturiertes Datenmanagement und Service-Konzepte

Das Projekt EmpowerDPP vereint zwei Forschungsbereiche: Datenmanagement und datengetriebene Services rund um den DPP. Zu Beginn führen die Forschenden eine Analyse funktionaler und nicht-funktionaler Anforderungen durch. Sie untersuchen Datenerfassungs-, Verteilungs- und Integrationsprozesse sowie Performance, Sicherheit, Skalierbarkeit und Usability. Diese strukturierte Analyse leitet technische, organisatorische und regulatorische Vorgaben ab und übersetzt sie in verbindliche Implementierungsziele.

Im Bereich Datenmanagement entwickelt das Team ein DPP-Readiness-Modell und ein Datenbereitstellungskonzept für KMU. Das Readiness-Modell ermöglicht Unternehmen, den aktuellen Reifegrad ihrer Datenprozesse und -infrastruktur systematisch zu ermitteln. Es deckt Lücken auf und liefert eine strukturierte Selbsteinschätzung entlang zentraler Dimensionen wie Datenqualität, Governance und Technologie-Stack. Das Datenbereitstellungskonzept schafft klare Prozesse und Verantwortlichkeiten. Es definiert, welche Daten in welcher Qualität, in welchen Formaten und über welche Schnittstellen bereitgestellt werden müssen. Dies reduziert manuelle Aufwände und minimiert Fehlerquellen.

Kontakt aufnehmen: Gemeinsam Lösungen entwickeln

Interessieren Sie sich für die Forschungsergebnisse oder möchten Sie an ähnlichen Projekten mitwirken? Kontaktieren Sie uns.

Kontaktmöglichkeiten:

  • Persönliche Beratung zu DPP-Implementierungen
  • Zugang zu Forschungsergebnissen und Publikationen
  • Teilnahme an Fachveranstaltungen und Workshops

Jetzt Kontakt aufnehmen

Datenmanagement-Readiness für produzierende Unternehmen

Das DPP-Readiness-Modell unterstützt Unternehmen dabei, systematisch den aktuellen Reifegrad ihrer Datenprozesse zu ermitteln. Es liefert eine strukturierte Selbsteinschätzung entlang vier zentraler Dimensionen:

  • Datenqualität
  • Governance
  • Technologie-Stack
  • Organisatorische

Auf dieser Basis können Betriebe Prioritäten setzen und einen individuellen Umsetzungsfahrplan erarbeiten. Dieser reicht von kurzfristigen Quick-Wins bis zu langfristigen Architekturvorhaben.

Service-Potenziale durch Transparenz und datenbasierte Mehrwerte

Der Digitale Produktpass schafft für Unternehmen vor allem Transparenz. Daraus ergeben sich vielfältige Wertschöpfungsmöglichkeiten durch verbesserte Prozesse und erweiterte Services. Das Projekt entwickelt konzeptionelle Demonstrationen von Service-Opportunitäten rund um den DPP und zeigt anhand von Wertstromanalysen dynamische Verwertungsmodelle auf.

Eine konzeptionelle Demonstration von Service-Opportunitäten bringt Unternehmen drei zentrale Vorteile:

  • Frühe Validierung: Risiken und Stellhebel lassen sich im geschützten Rahmen ausloten, ohne in teure Pilotprojekte oder vollumfängliche IT-Implementierungen zu investieren.
  • Stakeholder-Akzeptanz: Abstrakte Konzepte werden durch greifbare Anwendungsfälle, Mock-Ups oder Prototypen anschaulich.
  • Entscheidungsgrundlage: Wertstromanalysen visualisieren Material- und Datenflüsse entlang des gesamten Produktlebenszyklus transparent. Sie identifizieren Engpässe oder Verschwendungen frühzeitig.

Die Wertstromanalyse für dynamische Verwertungsmodelle erlaubt Unternehmen, Rücknahme-, Aufbereitungs- und Recyclingprozesse gezielt zu optimieren. Durchlaufzeiten reduzieren sich, Kosten sinken. Gleichzeitig gewinnen Unternehmen Daten, um unterschiedliche Verwertungs-Szenarien dynamisch zu simulieren.

Integration in Cluster-Rahmenwerke für skalierbare Circular Economy

Das Projekt EmpowerDPP erweitert die im CPM entwickelten programmierbaren Material- und Produktfunktionen um ein übertragbares Konzept des Digitalen Produktpasses mit Readiness Check. Dies ermöglicht im Rahmen des CCPE Transparenz, Rückverfolgbarkeit, datenbasierte Services, skalierbare Circular-Economy-Strategien und höhere Ressourceneffizienz.

Die Vorteile des EmpowerDPP-Ansatzes liegen in der lückenlosen Transparenz und Rückverfolgbarkeit von Materialherkunft, Fertigungsprozessen und erweiterter Produktfunktionalität. Dies ermöglicht den Aufbau vertrauenswürdiger Circular-Economy-Kreisläufe.

Durch ein standardisiertes, übertragbares Konzept lässt sich der DPP branchenübergreifend skalieren. Es integriert sich nahtlos in bestehende CCPE-Rahmenwerke. Aufbauend auf den Arbeitsergebnissen und Expertisen des CCPE in den Bereichen Logistik, Circular Economy, Nachhaltigkeit und Digitalisierung formulieren die Forschenden Anforderungen an ein übertragbares DPP-Konzept für produzierende Unternehmen. Sie entwickeln einen darauf basierenden DPP-Readiness-Check. Die erarbeiteten Ergebnisse werden in enger Zusammenarbeit der Cluster kontinuierlich weiterentwickelt.