@ILO – Digitaler Zwilling und KI für die Stückgutlogistik

Der digitale Zwilling @ILO verbindet KI-basierte Algorithmen mit optischer Erfassung und bildet alle Packstücke, Assets und Abläufe eines Umschlaglagers in Echtzeit ab. Die Forschungsfrage: Wie behalten Betreiber fußballfeldgroßer Umschlaglager den Überblick über Aufenthaltsort und Größe jeder Sendung? Dachser und das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML beantworten diese Frage im Dachser Enterprise Lab – mit Datamatrix-Codes auf den Packstücken und hunderten Scaneinheiten unter der Hallendecke. Elf Niederlassungen nutzen die Technologie. 2023 folgte der Deutsche Logistik-Preis, 2026 der ELA Award. 

Gabelstapler im Umschlaglager mit Datamatrix-codierten Packstücken und Fahrzeugdisplay. Die @ILO-Technologie des Fraunhofer IML lokalisiert und identifiziert Sendungen in Echtzeit für den digitalen Zwilling im Stückgutumschlag.
© S. Grenzing - Dachser

Projektziel und Herausforderungen – Digitaler Zwilling und KI im Umschlaglager

In der Stückgutlogistik erreichen täglich mehrere tausend Ladeeinheiten die oft fußballfeldgroßen Umschlaglager, werden umgelagert und weiterbefördert. Ein durchgängiger Überblick über die Ist-Situation in der Halle blieb dabei anspruchsvoll: Der exakte Aufenthaltsort und die Größe jeder einzelnen Sendung ließen sich nur eingeschränkt bestimmen. Diese Herausforderung griffen Dachser und das Fraunhofer IML im »Dachser Enterprise Lab« auf und lösten sie mit @ILO.

Projektziel: ein vollautomatisch erzeugtes, jederzeit aktuelles digitales Abbild aller Packstücke, Assets und Abläufe im Umschlaglager, das Mitarbeitende über mobile Geräte, Displays und eine Web-Anwendung erreicht.

Drei Randbedingungen prägen das Vorhaben: knappe Flächen, Fachkräftemangel und steigende Kundenanforderungen an Sendungsinformationen. Manuelle Barcode-Scans, das Beschriften der Packstücke, die tägliche Hallenaufnahme und die Suche nach falsch abgestellten Sendungen banden erhebliche Arbeitszeit. In einem vollen, fußballfeldgroßen Umschlaglager wurde das Auffinden einzelner Packstücke schnell zum zeitintensiven Prozess.

@ILO (Advanced Indoor Localization and Operations) ersetzt diese Vorgänge durch automatische Identifikation, Lokalisierung, Vermessung und Visualisierung. 

Technologie für Ihr Umschlaglager prüfen

Unser Leistungsangebot:

  • Entwicklung eines an die Rahmenbedingungen angepassten optischen Tracking-Systems 
  • Adaption des Systems auf Anwendungsfälle mit Bodenlagerung außerhalb der Umschlaghalle
  • Gemeinsame Forschung im Enterprise-Lab-Format: gemischte agile Teams aus Wissenschaft und Praxis
  • Einordnung von KI-Anwendungen in der Logistik

Projektkontakt aufnehmen

Projektsteckbrief

Projekttitel

@ILO – Advanced Indoor Localization and Operations (Digitaler Zwilling)

Laufzeit

Forschung im Dachser Enterprise Lab seit 2017  
über sechs Jahre Entwicklung bis 2023 
Roll-out ab 2024 
bis Ende 2026 bis zu zehn weitere Niederlassungen

KooperationSpartner
DACHSER SE  
Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML
Projektleitung Fraunhofer IML

»Der digitale Zwilling mit KI-Einsatz liefert ein Echtzeitabbild der Halle: Jedes Packstück ist identifiziert, metergenau lokalisiert und vermessen. Damit wird aus Daten eine belastbare Steuerungsgrundlage für den Stückgutumschlag.«
Dr. Volker Lange, Abteilungsleiter Verpackungs- und Handelslogistik und AutoID-Technologien am Fraunhofer IML

Die Lösung – Digitaler Zwilling mit KI aus vier Bausteinen

@ILO ist ein digitaler Zwilling: ein vollautomatisch erzeugtes, stets aktuelles Abbild eines Umschlaglagers und seiner Prozesse. Technische Basis sind zweidimensionale Datamatrix-Codes auf der Oberseite jedes Packstücks sowie mehrere hundert optische Scaneinheiten im Deckenbereich, die den gesamten Hallenboden erfassen. KI-basierte Algorithmen der @ILO-Software interpretieren diese Daten im Sekundentakt.

Die vier Bestandteile in ihrer Prozessreihenfolge:

  1. Identifikation: @ILO erkennt Packstücke beim Eintritt, Aufenthalt und Verlassen der Halle automatisch und erfasst sie im Transportmanagementsystem. Manuelle Barcode-Scans entfallen, eine Echtzeit-Inventur steht jederzeit bereit.
  2. Lokalisierung: Die Scaneinheiten ermitteln die Position jeder Ladeeinheit und jedes Fahrzeugs (FFZ) metergenau und kontinuierlich. Während herkömmliche RTLS auf aktiven, funkbasierten Tags beruhen, arbeitet @ILO mit passiven 2D-Codes auf dem Packstück und optischer Sensorik – ein Optical Real-Time Locating System (ORTLS), dessen Bildinformation zusätzliche Funktionen erschließt.
  3. Volumenvermessung: Das System bestimmt Länge, Höhe und Breite der Packstücke ohne Messstation. 
  4. Visualisierung: Alle Daten fließen zu einem digitalen Abbild zusammen und erscheinen auf Websites, Apps sowie Fahrzeugdisplays.

Digitaler Zwilling und KI für Ihr Umschlaglager: Leistungen des Fraunhofer IML

Aus mehreren Jahren Forschung im Stückgutumschlag kennt das Fraunhofer IML die Stellen, an denen optische Identifikation und Lokalisierung im Bestand an Grenzen stoßen. Diese Erkenntnisse bringen wir in Ihr Projekt ein: Wir analysieren Ihre Prozesse, prüfen die technische Machbarkeit, dimensionieren die Erfassungstechnik und begleiten Pilotierung sowie Integration in Ihre bestehenden Systeme. Sprechen Sie uns für ein Erstgespräch an.

Erstgespräch anfragen

Echtzeit-Lokalisierungssystem für Suche und Beladung

Die Ortung aller Paletten läuft metergenau und in Echtzeit. Als Optical Real-Time Locating System (ORTLS) lokalisiert @ILO Paletten und Flurförderzeuge metergenau und in Echtzeit mithilfe hunderter optischer Scaneinheiten unter der Hallendecke. Während RTLS als Oberbegriff unterschiedliche Lokalisierungstechnologien umfasst, basiert @ILO auf optischer Erfassung und kommt daher ohne aktive Tags, Transponder oder zusätzliche Funkinfrastruktur aus. Das System ordnet jeder Sendung automatisch einen Stellplatz zu und macht die Position der Flurförderzeuge jederzeit sichtbar. Stellplätze und Leitinformationen für den innerbetrieblichen Transport erscheinen auf Websites, Apps oder mobilen Displays.

Der Nutzen ist messbar. Such- und Beladeprozesse verkürzen sich erheblich, die Transparenz im Lager steigt deutlich. Fahrerinnen, Fahrer und gewerbliche Mitarbeitende erkennen den Verbleib der Ware ohne Rückfrage. Nahverkehrsfahrzeuge starten morgens früher mit der Warenauslieferung und sparen wertvolle Zeit im Berufsverkehr.

In den Pilotniederlassungen Unterschleißheim bei München und Öhringen bei Heilbronn beschleunigten sich einzelne Prozessabläufe zwischen Wareneingang und Warenausgang um 15 bis 35 Prozent. Auch Disposition und Kundenservice profitieren, ebenso Kunden mit exakteren Sendungsinformationen.

Digitaler Zwilling mit KI als Staplerleitsystem

Neu ist die automatische »Verheiratung« von Flurförderzeug und Packstück. Das @ILO-System erkennt die Aufnahme einer Palette durch ein Flurförderzeug automatisch und übermittelt Informationen zum jeweiligen Packstück in Echtzeit über Displays an die Mitarbeitenden. Die benötigten Leitinformationen erscheinen dabei ohne weiteres manuelles Handeln auf dem Fahrzeugdisplay.

Damit übernimmt der digitale Zwilling Aufgaben, die klassische Staplerleitsysteme adressieren: Auftrag, Ladeeinheit und Fahrzeug bleiben ohne Zusatzeingabe verknüpft. Die Funktion spart Prozesszeiten und eröffnet die Möglichkeit, Abläufe im Umschlaglager neu zu gestalten.

Ein Effekt zeigt sich in den Zahlen: 2025 sparten die elf @ILO-Niederlassungen über vier Millionen manuelle Barcode-Scans in der Umschlaghalle ein. Die tägliche manuelle Hallenaufnahme aller Packstücke entfällt, Paletten sind live zu orten. Technologie erzeugt Wert, wenn sie Mitarbeitende in der täglichen Arbeit entlastet – dieser Anspruch prägt die Entwicklung im Dachser Enterprise Lab.

Volumendaten für Verladung und Tourenplanung

Die vollautomatische und permanente Vermessung aller Packstücke bildet den nächsten Innovationsschritt in Richtung Logistik 4.0. Im Pilotbetrieb ermittelt das System Länge, Höhe und Breite der Packstücke mit und zeigt die Werte in Echtzeit an, ohne dass Fahrzeuge Messstationen anfahren.

Parallel entwickeln Dachser und unser Institut ein vereinfachtes @ILO-System. Damit rüsten Kunden ihre Warenausgangszone aus und erhöhen die Transparenz im Versand. Die Technologie beschränkt sich nicht auf die Umschlaghalle: Anwendungsfälle mit Bodenlagerung lassen sich adaptieren. 

Messbare Erfolge im Stückgutumschlag

Zahlen belegen die Wirkung im Betrieb. Zwischen Wareneingang und Warenausgang beschleunigten sich einzelne Prozessabläufe in den Pilotniederlassungen um 15 bis 35 Prozent.

Eingesparte manuelle Barcode-Scans (2025, elf Niederlassungen)

über 4 Millionen

Beschleunigung einzelner Prozessabläufe

15 bis 35 Prozent

Standorte im Einsatz 2 Pilotanlagen + 9 weitere
Geplante Standorte bis Ende 2026 bis zu 10 zusätzliche
Langfristiges Ziel über 100 Standorte

Die tägliche manuelle Hallenaufnahme aller Packstücke entfällt. Paletten sind live zu orten, Nahverkehrsfahrzeuge starten früher. Für Dachser bildet das »Dachser Future Terminal« in Verbindung mit dem digitalen Zwilling @ILO das umfangreichste Forschungsprojekt des Enterprise Labs und eine der größten Digitalisierungsinvestitionen der Unternehmensgeschichte. 

Vertiefende Quellen und Kennzahlen zum Projektumfeld

Auszeichnungen: Deutscher Logistik-Preis 2023 der Bundesvereinigung Logistik (BVL); ELA Award (European Logistics Associatin Award), verliehen am 19. Februar 2026 in Wien

Skalierung: Start in zwei Pilotanlagen, aktuell neun weitere Dachser-Standorte, bis Ende 2026 bis zu zehn zusätzliche Niederlassungen, langfristig über 100 Standorte im europäischen Netzwerk

Über Dachser: rund 32.850 Mitarbeitende an 379 Standorten, 8,1 Milliarden Euro konsolidierter Umsatz (2022), 81,1 Millionen Sendungen, 42,8 Millionen Tonnen, eigene Landesgesellschaften in 41 Ländern

Medienkontakt: Christian Weber, DACHSER SE, +49 831 5916 1425