Forschungsvorhaben SIMPEL² stärkt die Versorgung in Schadenslagen
Wie lassen sich Informations- und Materialflüsse in Krisensituationen sowohl in planbaren als auch in chaotischen Einsatzlagen effizient steuern und transparent nachverfolgen? Dieser Fragestellung widmete sich die Abschlussübung im Forschungsprojekt SIMPEL² - Stabslogistik 2.0, welche am 11. März 2026 in den Stabsräumen der Feuerwache 1 in Dortmund gemeinsam mit den beiden Projektpartnern Eurocommand GmbH und der Stadt Dortmund – Institut für Feuerwehr- und Rettungstechnologie - durchgeführt wurde.
Von der Herausforderung zur digitalen Lösung
(Groß-)Schadensereignisse stellen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben vor erhebliche Herausforderungen und erfordern häufig eine organisationsübergreifende Zusammenarbeit sowie eine koordinierte Einsatzbewältigung über Verwaltungs- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg, verbunden mit einem hohen Material- und Ressourceneinsatz. Eine effektive Einsatzbewältigung benötigt daher einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl unter planbaren als auch unter dynamischen (chaotischen) Bedingungen funktioniert und zugleich Logistik- und Versorgungsprozesse systematisch integriert.
Vor diesem Hintergrund wurde im Projekt SIMPEL² ein ganzheitliches Logistikkonzept für Einsatzlagen entwickelt. Dieses bildet die Grundlage für eine digital-gestützte Stabslogistik und adressiert insbesondere zentrale Handlungsfelder wie Materialverfügbarkeit, Informationsweitergabe, Nachverfolgbarkeit sowie strukturierte Meldeprozesse. Die softwareseitige Umsetzung dieses Konzepts erfolgte durch den Entwicklungspartner Eurocommand GmbH, der die entwickelten Logistikmodule, u.a. basierend auf umfangreichen Analysen zu Nutzeranforderungen und -bedarfen, in einen anwendungsorientierten und praxistauglichen Softwaredemonstrator überführte.
Praxistest beim simulierten Länderspiel
Im Rahmen der Übung wurden die softwaregestützten Funktionalitäten unter realitätsnahen Bedingungen erprobt. Als Szenario diente ein planbares Großereignis in Form eines Länderspiels, bei dem unterschiedliche Eskalationsstufen wie eine Hitzewelle sowie die logistische Versorgung großer Fanmengen simuliert und bewertet wurden. Die hierbei ermittelten Ergebnisse zeigen, dass insbesondere eine erhöhte Transparenz im Stab sowie die strukturierte Unterstützung logistischer Abläufe zu einer effizienteren Koordination sowie auch zu einer verbesserten Kommunikation zwischen den einzelnen Akteuren und ebenfalls zu einer Reduktion administrativer Aufwände beitragen können.
Der im Projekt entwickelte Softwaredemonstrator wurde in insgesamt drei anwendungsnahen Übungen mit unterschiedlichen Schadenslagen auf seine Praxistauglichkeit hin überprüft und iterativ weiterentwickelt. Dabei wurden sowohl im Voraus planbare Einsatzlagen als auch solche betrachtet, bei denen die Lageentwicklung erst mit Aufnahme der Stabsarbeit oder im weiteren Verlauf erfasst werden kann. Die in den Übungen gewonnenen Erkenntnisse und Rückmeldungen der Anwenderinnen und Anwender wurden systematisch erfasst und kontinuierlich in die Weiterentwicklung des Logistikkonzepts sowie der softwareseitigen Umsetzung überführt. Auch die Ergebnisse der dritten Übung werden bis zum Projektende im Juni -eingearbeitet und tragen zur weiteren Erhöhung des Reifegrads des Softwaredemonstators bei.
SIMPEL² wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert und durch den Projektträger VDI begleitet. Projektpartner sind neben dem Fraunhofer IML die Stadt Dortmund – Institut für Feuerwehr- und Rettungstechnologie sowie die Eurocommand GmbH.
Letzte Änderung:
Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML