»ONE Record« im Einsatz: Auf dem Weg zur breiten Anwendung

Papierbasierte Prozesse sind in der Logistik nach wie vor weit verbreitet – das gilt auch für die Luftfracht. Für dieses Problem entwickeln Forschende des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML digitale Lösungen: Durch die Einführung des Datenstandards »ONE Record« der IATA werden Sendungsinformationen in vollständig digitalen Prozessen übermittelt und können somit in Echtzeit übertragen werden. Vor diesem Hintergrund ist am 27. Januar 2026 die internationale Luftfracht-Community in Frankfurt zur »Air Cargo Connect 360° – ONE Record Konferenz« zusammengekommen.

Personen vor einer REzeption auf der Air Cargo Connect Veranstaltung.
© Fraunhofer IML - Vinzenz Neugebauer

Die Veranstaltung war Teil des vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung geförderten Projekts »Digitales Testfeld Air Cargo (DTAC)« und wurde vom Fraunhofer IML organisiert. Ziel der Konferenz war es, einen ganzheitlichen 360-Grad-Blick auf ONE Record zu ermöglichen – von strategischen Fragestellungen bis hin zu konkreten technischen Implementierungen. Seit dem 1. Januar 2026 ist »IATA ONE Record« der bevorzugte IATA-Standard für den Datenaustausch in der Luftfracht.

Im Vormittagsprogramm ging es darum, eine gemeinsame fachliche Basis zu schaffen. Dabei wurde deutlich, warum ONE Record ein zentraler Baustein für die Digitalisierung der Luftfracht ist, wie der Standard auf konzeptioneller Ebene aufgebaut ist und welche Anwendungsfälle sich bereits umsetzen lassen. Die Einführungsvorträge verdeutlichten dabei den Paradigmenwechsel weg von dokumentenzentrierten Prozessen hin zu einem gemeinsamen, datenzentrierten Informationsaustuasch entlang der gesamten Transportkette. Vertretende von IATA, Airlines, Spediteuren und Technologieanbietern hoben hervor, dass ONE Record die Grundlage für mehr Transparenz, Automatisierung und Zusammenarbeit in der Luftfracht schafft.

Am Nachmittag vertiefte die Konferenz die Inhalte in zwei parallelen Sessions.

Der »Business- & Strategy-Track« fokussierte sich auf organisatorische und strategische Fragestellungen. Im Mittelpunkt standen Erfahrungsberichte aus ersten Produktivsetzungen sowie eine Paneldiskussion zu Fortschritten, Herausforderungen und Erkenntnissen auf dem Weg zur Einführung von ONE Record.

Parallel dazu bot der »Technical-Track« detaillierte Einblicke in Datenmodelle, Programmierschnittstellen, Sicherheitskonzepte und Open-Source-Ansätze wie die NE:ONE-Server-Software. Anhand konkreter Beispiele zeigte sich praxisnah, wie ONE Record technisch implementiert und weiterentwickelt werden kann. In beiden Bereichen wurden konkrete Anwendungsfälle vorgestellt, von sogenannten Direct-to-Dock-Prozessen über die Ablösung bestehender Messaging-Formate bis hin zu KI-gestützten Anwendungen auf Basis von ONE-Record-Daten.

»Die Konferenz hat den offenen Austausch über bestehende Fragestellungen ermöglicht, indem sie Business-, IT- und Fachperspektiven zusammengebracht hat. Der Austausch hat verdeutlicht, dass ONE Record auf einer soliden technischen Grundlage steht, aber auch für die breite Akzeptanz kontinuierlich weiterentwickelt werden muss. Der weitere Fokus liegt daher in unseren weiteren Forschungsarbeiten im DTAC nun auf der Entwicklung und Etablierung belastbarer Business Cases, um den Einsatz von ONE Record in Unternehmen nachhaltig zu verankern. Eine zunehmende Anwendung in der Praxis ist entscheidend, um Nutzen, Skalierbarkeit und Weiterentwicklung des Standards evidenzbasiert voranzutreiben«, betonte Dr. Harald Sieke, Abteilungseiter Luftverkehrslogistik, im Rahmen der Veranstaltung.

Zum Projekt:

Das »Digitale Testfeld Air Cargo« ist ein vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) gefördertes Forschungsprojekt mit einem Gesamtvolumen von über 18 Millionen Euro, das digitale Anwendungen für die Luftfracht entwickelt. Ziel ist eine effizientere Transportkette durch bessere Vernetzung und digitale Prozessoptimierung. Nach der ersten Projektphase (09/2021–09/2024) läuft aktuell die zweite Phase bis August 2026. Die Umsetzung des Projekts erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den bestehenden Konsortialpartnern aus der Luftfrachtbranche, darunter die Flughäfen Frankfurt, Köln, Leipzig und München, sowie Unternehmen wie CHI Deutschland Cargo Handling GmbH, DB Schenker, Lufthansa Cargo AG und Sovereign Speed GmbH.

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