»Mixed Reality« am Fraunhofer IML

Virtual und Augmented Reality können Trainings, Planungen oder intralogistische Prozesse unterstützen und bieten so neue Möglichkeiten für die Logistik. Forscher des Fraunhofer IML entwickeln deshalb verschiedene Projekte für den Einsatz in Unternehmen.

© Fraunhofer IML

Virtual Reality (VR)

Virtual Reality (VR) ist eine virtuelle Welt, die ein Nutzer mit einem Headset betrachtet und mit der er interagieren kann. Dabei wird die reale Welt ausgeblendet. Bei Augmented Reality (AR) wird die Realität mithilfe von mobilen Geräten oder transparenten Displays in einer Brille mit virtuellen Informationen angereichert, sodass es wirkt, als sei die Information in der echten Welt vorhanden. Der Überbegriff für AR und VR sowie weitere Mischformen lautet »Mixed Reality« (XR).

In der Logistik kann VR zum Beispiel für Trainings eingesetzt werden, um Prozesse in der virtuellen Welt einzuüben. Dabei werden außer der Brille keine weiteren Ressourcen benötigt. AR kann als Assistenz dienen, indem Entscheidungen unterstützt, Prozesse angeleitet und potenzielle Fehler im Ablauf erkannt werden. So macht es die Technologie beispielsweise möglich, Kommissionierprozesse durch die Einblendung von Informationen am Regal zu unterstützen.

  • TrainAR: Gemeinsam mit der BEUMER Group entwickelten die Forscher ein AR-Training, in dem Trainierende echte Pakete hinsichtlich ihrer Eignung für automatisierte Fördertechnik zu klassifizieren lernen und in einer AR-Brille Feedback zu ihren Entscheidungen erhalten. Mit Bestenlisten, spielerischem Feedback und einem Erfolgssystem sorgt das Training für Motivation.
  • LiftNick: Die Gabelstapler-Simulation in VR wurde zum Trainieren von Regelbewusstsein und Prozesskenntnis im eigenen Lager entwickelt.
  • VisionARy: Die Basistechnologie dient dazu, Objekte wie Pakete oder Werkzeuge zu erkennen, im Raum zu verorten und in AR hervorzuheben.

XR-Vision

Wie Mixed Reality in der Praxis eingesetzt werden kann, beschreibt Christoph Schlüter in seiner »XR-Vision«: »Wenn Unternehmen VR und AR nutzen, ergeben sich neue Möglichkeiten: Virtuelle Trainingsprozesse könnten durch Echtzeitdaten ergänzt werden, um sie so realistischer zu machen. Auf der anderen Seite können Prozesse zuerst in der virtuellen Welt angepasst und überprüft werden. Sollten sie effizienter sein, werden die Veränderungen auf die realen Prozesse übertragen.«

XR-Lab

Um weiter an der XR-Technologie zu forschen, wird ein XR-Lab am Fraunhofer IML aufgebaut. Dort können neue Projekte entwickelt und demonstriert sowie Studien durchgeführt werden. Außerdem wollen die Forscher ihre Projekte verstärkt in die Praxis transferieren. »Für unser VR-Gabelstapler-Training sind wir uns bereits mit einem Simulatorhersteller
einig. Unternehmen können nun für ihr Training einen Simulator bestellen, auf dem unsere Software installiert ist«, erklärt Christoph Schlüter, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IML.

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Leistungszentrum Logistik & IT

Im »Leistungszentrum Logistik und IT« am Fraunhofer IML arbeiten die Wissenschaftler des Workstreams »Mixed Reality« an der virtuellen Planung von intralogistischen Prozessen. Dafür entwickeln sie eine Softwareplattform, mit der sie virtuelle Trainings einfacher erstellen und individualisieren können. Dadurch ist es möglich, Trainingsprozesse auf verschiedene Lager-Layouts zu übertragen und es ergeben sich neue Möglichkeiten für die Lagerplanung: Unternehmen können zum Beispiel das Lager, das sie zur Planung in Auftrag gegeben haben, vor dem Bau in der virtuellen Realität betrachten. So werden Fehler in der Konstruktion früh beseitigt und Prozesse einfacher optimiert. Christoph Schlüter möchte mit seinem Team bald noch einen Schritt weiter gehen: »Üblicherweise sollen Mitarbeiter in einer neuen Lagerumgebung gleich so produktiv arbeiten, wie zuvor. In einem virtuellen Abbild des Lagers können wir bereits vorab die Prozesse simulieren, die später darin stattfinden werden. So können die Mitarbeiter in der neuen Umgebung trainieren, bevor das reale Lager steht.« Der Anlauf des neuen Standorts kann dadurch schneller und sicherer stattfinden.