Krankenhausreform umsetzen: Logistik als strategischer Hebel

Das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG), im Oktober 2024 vom Bundestag beschlossen, leitet eine Krankenhausreform ein, die Planung, Finanzierung sowie Leistungserbringung im Krankenhaus grundlegend verändert. Kliniken spezialisieren sich leistungsbezogen an ihren Standorten. Sektorenübergreifende Gesundheitseinrichtungen (Level 1i-Krankenhäuser) erweitern das ambulante Angebot. Patientenwege, Materialflüsse sowie Versorgungsprozesse müssen standortübergreifend neu organisiert werden.

Das Fraunhofer- Institut für Materialfluss und Logistik entwickelt standortübergreifende logistische Betriebskonzepte als Grundlage, um diese Ziele strukturiert umzusetzen. Die Konzepte heben Synergien und ermöglichen eine effizientere Ressourcenplanung, damit Versorgungsqualität sowie Wettbewerbsfähigkeit steigen.

Ein Krankenhausflur mit einer neongefärbten Ortsmarke als Symbole für die Krankenhausreform.
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Warum das KHVVG die Krankenhauslogistik in den Fokus rückt

Das KHVVG verfolgt das Ziel, die medizinische Versorgungsqualität zu verbessern und eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Die KHVVG Leistungsgruppen legen künftig fest, welche medizinischen Leistungen Krankenhäuser erbringen dürfen. Diese Gruppen sind an verbindliche Qualitätskriterien gebunden, etwa bei Personal, technischer Ausstattung oder interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Für Krankenhäuser bedeutet das konkret: Ambulante und stationäre Versorgung rücken enger zusammen. Leistungen konzentrieren sich stärker an spezialisierten Standorten. Patientenwege und Materialflüsse müssen entlang veränderter medizinischer Strukturen neu organisiert werden. Besonders Träger mit mehreren Standorten stehen vor der Aufgabe, medizinische Leistungen, Flächen, Materialflüsse sowie Prozesse standortübergreifend neu zu ordnen.

Genau hier setzt das standortübergreifende logistische Betriebskonzept an. Das Fraunhofer IML entwickelt gemeinsam mit Krankenhäusern ein ganzheitliches Konzept, das an spezifische Anforderungen, infrastrukturelle Gegebenheiten sowie organisatorische Rahmenbedingungen angepasst ist. Die Arbeit stützt sich auf langjährige Erfahrung in Planung und Organisation von logistischen Betriebsabläufen im Krankenhaus (Supportprozesse).

Leistungsspektrum: Planung standortübergreifender Krankenhauslogistik

Unsere Leistungen in der Planung standortübergreifender Krankenhauslogistik:

  • Berücksichtigung KHVVG-bedingter Auswirkungen auf Standorte, Leistungsgruppen sowie Prozessorganisation
  • Entwicklung eines standortübergreifenden logistischen Betriebskonzepts von Bestand oder Bau bis zum Zielbild
  • Abstimmung von Patienten-, Material- sowie Informationsflüssen für konzentrierte Leistungsangebote
  • Unterstützung bei der Planung logistischer Anforderungen für Zentrenbildung, ambulante Angebote sowie sektorenübergreifende Versorgung
  • Definition von Migrationsszenarien für die Umsetzung im laufenden Krankenhausbetrieb

Standortübergreifendes logistisches Betriebskonzept anfragen

Standortübergreifendes logistisches Betriebskonzept für Zentrenbildung im Rahmen der Krankenhausreform

Für Verbünde sowie Mehrstandortträger rückt die standortübergreifende Leistungserbringung im Zuge des KHVVG in den Fokus. Der Transformationsfonds fördert Vorhaben, die akutstationäre Kapazitäten bündeln, sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen aufbauen oder regionale Krankenhausverbünde weiterentwickeln. Praktisch bedeutet das: Krankenhäuser brauchen Zielbilder für Leistungsgruppen, medizinische Funktionsketten sowie Versorgungsrollen je Standort.

Logistisch betrifft das nahezu alle Supportprozesse, Servicebereiche sowie digitalen Informationsflüsse. Besonders die OP- sowie Bettenlogistik und die Steuerung der Notfallversorgung fordern Krankenhäuser stark heraus. Ohne abgestimmtes Zielbetriebsmodell steigen Umsetzungsrisiken, Reibungsverluste sowie Zusatzaufwände im laufenden Betrieb.

Unser Institut erarbeitet mit Krankenhausträgern ganzheitliche, standortübergreifende Betriebskonzepte. Diese Konzepte umfassen Prozess- sowie Informationsflüsse ebenso wie technische und infrastrukturelle Voraussetzungen. Gemeinsam prüfen wir, welche Prozesse gebündelt, verlagert oder neu organisiert werden müssen, damit Versorgung, Qualität sowie Wirtschaftlichkeit zusammenpassen.


»Zukunftsfähige Krankenhausplanung im Rahmen der Krankenhausreform erfordert, logistische Betriebsorganisation frühzeitig in den Entwurfsprozess zu integrieren. So bleiben medizinische Zielstrukturen und bauliche Umsetzung aufeinander abgestimmt.«
Andrea Raida ist stv. Abteilungsleiterin Health Care Logistics am Fraunhofer IML forscht zur Krankenhauslogistik.

Krankenhauslogistik als Umsetzungsmodell der Krankenhausreform im Verbund

Ein leistungsfähiges standortübergreifendes logistisches Betriebskonzept verbindet Bau, Betrieb sowie Technik. Es macht Abhängigkeiten zwischen medizinischen Leistungen, unterstützenden Prozessen sowie der Infrastruktur transparent. Gleichzeitig priorisiert es Maßnahmen für Zielstandorte und definiert Migrationsschritte für die Umsetzung im Bestand.

Für Krankenhäuser im Verbund ergeben sich drei zentrale Vorteile:

Erstens sinkt das Risiko, dass die Konzentration medizinischer Leistungen an prozessualen oder baulichen Engpässen scheitert. Zweitens lassen sich Investitionen, Flächen sowie Ressourcen an einem gemeinsamen Zielbild ausrichten. Drittens wird die medizinische Zentrenbildung betrieblich anschlussfähig, weil Patientenwege, Materialversorgung, Personalunterstützung sowie standortübergreifende Schnittstellen frühzeitig geklärt sind.

Die Logistik im Krankenhausverbund erhält so eine strukturierte, ganzheitliche Grundlage. Sie ermöglicht strategische Entscheidungen, unterstützt die Gebäudeplanung und sichert die operative Umsetzung im laufenden Betrieb.

Referenz

Neuordnung im Klinikum Arnsberg: Standortübergreifendes logistisches Betriebskonzept

Das Projekt zeigt, wie ein standortübergreifendes logistisches Betriebskonzept die Strukturen am Klinikum Arnsberg für eine Neuordnung vorbereitet. Das Fraunhofer IML entwickelte für drei Standorte eine integrierte Betriebsorganisationsplanung sowie ein Raum- und Funktionsprogramm. Dieses Programm bildet Notaufnahme, OP, Stationen, Servicebereiche, Transporte sowie Kommunikation systematisch ab.

Button: Standortübergreifendes logistisches Betriebskonzept am Klinikum Arnsberg

Standortübergreifendes logistisches Betriebskonzept am Klinikum Arnsberg

Ein Arzt geht über einen Krankenhausflur. Als Symbolbild für die Krankenhausreform.
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FAQ zur Krankenhausreform und Krankenhauslogistik

  • Das KHVVG verschiebt den Fokus von Fallmengen hin zu Leistungsgruppen, Qualitätskriterien sowie Vorhaltung. Ein logistisches Betriebskonzept ordnet dazu Patientenwege, Flächen, Materialflüsse sowie Schnittstellen neu. Für einen standortübergreifend organisierten Träger wird sichtbar, welche Prozesse für die Krankenhausreform angepasst werden müssen, welche Standorte welche Rolle im Zielbild übernehmen.

  • Viele Anforderungen wirken nicht nur auf einen Einzelstandort. Werden Leistungen gebündelt oder verlagert, ändern sich Transportwege, Funktionsstellen, Kapazitäten sowie Versorgungsroutinen im gesamten Verbund. Ein standortübergreifend entwickeltes logistisches Betriebskonzept macht diese Abhängigkeiten transparent und schafft eine belastbare Grundlage für die KHVVG-Umsetzung sowie die Krankenhausreform Umsetzung.

  • Es verbindet Bau, Betrieb sowie Organisation für Krankenhäuser mit mehreren Standorten. Das Konzept klärt Abhängigkeiten zwischen Leistungsgruppen sowie Infrastruktur, definiert Migrationsschritte und richtet Betriebsabläufe zielgerichtet an einer gemeinsamen Struktur aus. So entsteht eine tragfähige Grundlage für die standortübergreifende Konzentration im Krankenhaus.

  • Zentrenbildung im Krankenhaus erfordert, dass Patientenwege, Materialversorgung, Personalunterstützung sowie standortübergreifende Schnittstellen frühzeitig geklärt werden. Unsere Forschungseinrichtung erarbeitet über mehrere Klinikstandorte hinweg logistische Betriebskonzepte, die medizinische Zielstruktur, Bau sowie logistische Betriebsorganisation verbinden und Zentrenmodelle organisatorisch anschlussfähig gestalten.