Projekt Einsatz von eButton im Krankenhaus

Einsatz von eButton als Prozessunterstützung für die Anforderung von OP-Bereichskleidung – Paul Hartmann AG

Mit über 10.000 Mitarbeitern weltweit und ca. 1.862 Mio. Euro Umsatz zählt die Paul Hartmann AG zu den international führenden Herstellern von Medizin- und Pflegeprodukten.

Die Paul Hartmann AG plante mit der Einführung des Foliodress® Suit, einer Einweg-Bereichskleidung für den OP, ein neues Marktsegment zu erschließen. Ziel der Paul Hartmann AG war es mit Hilfe des neuen Produktes gezielt auf Kundenbedürfnisse im Bereich der Bereichskleidung an sich, aber auch in Bezug auf die Versorgungsprozesse der Kleidung einzugehen.

Um einen umfassenden Einblick in die Prozesswelt der Krankenhäuser und den damit einhergehenden Kundenbedürfnissen zu erhalten, beauftragte die Paul Hartmann AG die Abteilung Health Care Logistics des Fraunhofer IML. Mit Hilfe zweier Pilotkrankenhäuser wurde durch das Fraunhofer IML zunächst die IST-Situation in der OP-Umkleide analysiert. Hierbei kamen sowohl prozessuale als auch produktbezogene Schwachstellen zum Vorschein.

Entlang des langen Wäschelebenszyklus treten häufig unterschiedliche Qualitätszustände und insbesondere Beschädigungen (z.B. aufgerissene Nähte) der OP-Bereichskleidung auf. Dies führt dazu, dass Kleidung mit schlechter Qualität beim Bemerken der Mängel durch die Mitarbeiter direkt wieder abgeworfen wird. Um ein erneutes Umziehen wegen beschädigter Kleidungsstücke zu vermeiden, horten die Mitarbeiter teilweise Wäschestücke in vermeintlich besserer Qualität in ihren Spinden. Das Horten von Bereichskleidung wird zusätzlich verstärkt, da oftmals aufgrund zu geringer Vorratsmengen die passenden Größen nicht verfügbar sind, welches selbst wiederum zu einer Verknappung der Wäschemengen führt.

Die Mehrwegbereichskleidung wird in der Regel unsortiert durch die Wäscherei am Klinikum angeliefert. Dies führt dazu, dass die gelieferte Bekleidung zunächst noch einmal im Wäschelager nach Größen vorsortiert werden muss. Anschließend wird die Bereichskleidung in die offenen Regale der Umkleiden gebracht und verräumt. Da die Mehrweg-Wäsche im Vergleich zur Einweg-Bereichskleidung mehr Platz benötigt und oftmals nur wenig Platz zur Verfügung steht, kann nur eine begrenzte Stückzahl in den Regalen gelagert werden. Dies führt wiederum dazu, dass die Mitarbeiter im OP teilweise lange nach der richtigen Größe suchen müssen und der Transportdienst die Bereichskleidung häufiger nachfüllen muss. Sowohl die Suche nach der passenden Größe als auch die Suche nach „schöner“ Wäsche bedingt, dass die Mehrweg-Bereichskleidung chaotisch im Regal verteilt liegt.

Insgesamt fehlt oftmals durch die zuvor beschriebenen prozessualen und produktbezogenen Schwachstellen die Übersicht über die genutzten Mengen an OP-Bereichskleidung und somit aus Sicht der Hygiene die Möglichkeit die Einhaltung der Schleusenvorschriften zu überprüfen.

Auf Basis dieser Kundenbedürfnisse entwickelte die Paul Hartmann AG den Foliodress® Suit als Einweg-Bereichskleidung für den OP, welcher in einer speziellen Dispenserbox ausgeliefert wird. Durch den Einsatz farblich markierter Dispenserboxen entfällt die Suche nach der richtigen Größe. Darüber hinaus beauftragte die Paul Hartmann AG das Fraunhofer IML mit der Entwicklung von SOLL-Szenarien für eine Servicedienstleistung in Form einer innovativen Prozessunterstützung, welche das Angebot des Foliodress® Suit abrundet. Die Paul Hartmann AG folgte der Empfehlung des Fraunhofer IML elektronische Bestellknöpfe (eButton) für die Bestellung der Foliodress® Suit einzusetzen. Das eButton System der Paul Hartmann AG stellt ein für das Krankenhaus (Kunde der Paul Hartmann AG) ein vorkonfiguriertes System dar, indem die eButton mit direktem Bezug zu einer Dispenserbox zur Bestellauslösung am Regal des Foliodress® Suit befestigt werden. Mit Hilfe des E-Button Systems ist ein innovativer Prozess für die Anforderung und Bereitstellung der Einweg-Bereichskleidung auf Basis eines Knopfdrucks zu realisieren. Das System beinhaltet weiterhin die Möglichkeit, dass Schnellbestellungen, wenn nicht ausreichend saubere Wäsche in den Umkleiden verfügbar ist (Transparenz der Wäschebestände), auszulösen, da die Vorratsmengen nicht durch die Umlaufmenge und der Dauer der Aufbereitungsprozesse der Mehrwegwäsche beschränkt ist.

Mit Hilfe des innovativen eButton Systems der Paul Hartmann AG als Service-Dienstleistung des Foliodress® Suit können prozessuale Vorteile sowohl auf der Seite der Paul Hartmann AG als auch auf der Seite der Krankenhäuser erzielt werden. Durch diese Prozessverbesserungen und der damit einhergehenden Eliminierung von Ineffizienzen können Prozesskosten im täglichen Betrieb eingespart werden.

Im Anschluss an die Identifizierung der idealen Lösung erfolgte die prototypische Realisierung der eButton inklusive der zugehörigen Hardwareinfrastruktur und einer Kommissionier-App. Diese Prototypen wurden zusammen mit Prototypen des Foliodress® Suit in einer einwöchigen Pilotphase im Krankenhaus getestet und dabei sehr positiv aufgenommen.