Mobilität und Umwelt

KontaMob

Untersuchung von Möglichkeiten und Maßnahmen kontaktarmer Mobilität im Kontext der COVID-19-Pandemie

© subAVADEE - adobe.stock.com
© Rawpixel.com - stock.adobe.com

Mit den Reise- und Kontaktbeschränkungen durch die COVID-19 Pandemie kam die öffentliche Mobilität im ersten Lockdown nahezu zum Erliegen. Durch die anhaltenden Kontaktbeschränkungen entfallen noch immer zahlreiche Reisegründe, zudem scheint das Vertrauen in die Sicherheit des öffentlichen Verkehrs (ÖV) vielerorts abhandengekommen zu sein.  

Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) untersucht Reiseprozesse im Rahmen des internen Projektes „KontaMob“ und beschreibt Maßnahmen für eine kontaktärmere Personenmobilität. Dabei wird eine multimodale Reisekette analysiert, beginnend mit der Anreise mit dem ÖV zu einem Startflughafen, über die (überwiegend fußläufige) Mobilität am Flughafen selbst, bis zur Abreise mit dem ÖV vom Zielflughafen aus.

Die Reisekette wird im Kontext des Gesundheitsschutzes auf ihre neuralgischen Punkte hin untersucht. Prozessschritte werden dabei als kritisch eingestuft, wenn es zu engem Kontakt zwischen Reisenden kommt (bspw. in den Wartebereichen von Bahnhöfen und Haltestellen des ÖPNV), zwischen Reisenden und Mitarbeitern des Verkehrsunternehmen (bspw. bei der Fahrscheinkontrolle) oder auch zu Oberflächenkontakt (bspw. beim Bestätigen des Halteknopfes im Fahrzeug).

In den Bereichen Flughafen und ÖV gibt es zum Teil vergleichbare kritische Prozesse, was die Möglichkeit kontaktarmer Mobilität betrifft. Daher können bereits umgesetzte Maßnahmen übertragen werden, bspw. aus dem Flughafenbereich in den ÖV-Bereich (oder umgekehrt). In beiden Bereichen entstehen Flaschenhälse vor (Roll-)Treppen, Türen / Durchgängen und Aufzügen. Dabei kann es zu einer erhöhten Personendichte kommen und ggf. auch zu Oberflächenkontakt. An diesem Beispiel wird deutlich, dass zum Teil ähnliche Lösungsansätze sowohl im ÖV-, als auch im Flughafenbereich Anwendung finden können.

Allerdings zeigen sich auch grundlegende Unterschiede in den beiden Mobilitätsbereichen. Der größere Planungshorizont im Flugverkehr erlaubt eine zuverlässigere Prognose der zu erwartenden Reisenden im Vergleich zum ÖV. In diesem Zusammenhang ist die vorab verbindliche Reisebuchung mit den damit verbundenen Sitzplatzreservierungen im Flugzeug zu nennen. Die Buchungen ermöglichen eine zuverlässige Planung zur Kapazitätsauslastung für einen festgelegten Flug und geben damit auch Hinweise auf die erwartete Anzahl an Reisenden am Flughafen in einem bestimmten Zeitrahmen. Im ÖV hingegen besteht keine verbindliche Vorab-Reisebuchung. Hierbei reichen die Buchungsoptionen von einer Vorab-Buchung mit Sitzplatzreservierung (bspw. im Fernverkehr) bis zum ad-hoc Fahrscheinkauf im bereits überfüllten Bus oder Straßenbahnwagen. Damit sind keine Daten für eine zuverlässige Auslastungsprognose im ÖV gegeben. Die Auslastung kann aktuell allenfalls auf Basis von Erfahrungswerten oder Schätzwerten prognostiziert werden. Aus dieser Perspektive wäre eine technische und/oder digitale Unterstützung förderlich, um eine bessere Planungsgrundlage für die Kapazitätsauslastung im ÖV zu erhalten.