Prozesskostenanalyse und Optimierung des Wareneingangsbereichs

Euro Pool System ist Europas größter Logistikdienstleister für Mehrwegverpackungen. Im Jahr 2004 hat das Unternehmen einen neuen Standort in Zellik/Belgien eröffnet. Seitdem hat Euro Pool System das Dienstleistungsspektrum und die Volumina des Kunden kontinuierlich ausgeweitet. 2009 wurde ein neuer Steigentyp eingeführt, der mit Barcode und RFID ausgestattet ist. Dieser Übergang führte zu vielen Prozessanpassungen innerhalb des Depots. Darüber hinaus erfordert die Einführung eines neuartigen Scannersystems zur Erfassung gemischter Ladeeinheiten zusätzlichen Platzbedarf im Wareneingangs-bereich. Aufgrund dieser Entwicklungen wurde ein exaktes Controlling der Prozesse innerhalb des Depots immer wichtiger.

Die Aufgabe des Fraunhofer IML war es, eine vollständige Analyse und Optimierung der Strukturen und Prozesse im Inbound-Bereich des Depots durchzuführen. Das Projekt wurde dazu in drei Arbeitspakete aufgeteilt.

Die Analyse  der Strukturen und Mengenströme im Wareneingangsbereich war Kernelement des ersten Arbeitsschritts. Um eine verlässliche Datenbasis zu schaffen, wurden hierzu unter anderem REFA-Zeitmessungen der wichtigsten Prozesse wie z.B. dem Sortieren durchgeführt. Das zweite Modul umfasste eine exakte Kostenberechnung für den Inbound-Bereich. Dabei wurden die Kosten je Ladungsträger und Prozesstyp sowohl in einem Top-Down- als auch in einem Bottom-Up-Ansatz ermittelt. Es wurden zehn Prozessarten wie (un-) sortierte und starre bzw. faltbare Steigen unterschieden. Hierbei ergaben sich deutliche Unterschiede zwischen den Ergebnissen der ABC-Analyse (Top-Down-Ansatz) und den Kosten aus den
REFA-Zeiten (Bottom-Up-Prinzip). Im letzten Arbeitspaket wurde ein Maßnahmenkatalog mit acht Stellhebeln für Prozessoptimierungen im Inbound-Bereich erstellt. Zudem wurde eine Marktanalyse verschiedener Lagerlösungen für den neu eingeführten Steigentyp durchgeführt. Der Maßnahmenkatalog umfasste neben Prozessänderungen auch die Umstrukturierung des Depot-Layouts unter Berücksichtigung des neuen Paletten-Scan-Systems sowie die Einführung von Tools zur exakteren Prozesskontrolle.

Der erarbeitete Maßnahmenkatalog bietet vielfältige Möglichkeiten, die Effizienz und Qualität der Inbound-Prozesse zu steigern:

  • Das Einsparpotential beträgt etwa 12 Prozent der Gesamtkosten und kann kurzfristig realisiert werden, z.B. durch die Umstrukturierung des Sortierprozesses
  • Die dafür notwendigen Investitionen sind überschaubar
  • Darüber hinaus ermöglicht das Konzept Euro Pool System ein höheres Maß an Kontrolle über die Prozesse innerhalb des Depots, selbst wenn in Zukunft weitere strukturelle Änderungen berücksichtigt werden müssen.