SCM für Sekundärrohstoffe
Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML
-

- © Fotolia.com – Roman Milert
Urban Mining – Die Integration der Kreislaufwirtschaft in die Supply Chains
Mit dem Begriff des »Urban Mining« wird die Gewinnung von Sekundärrohstoffen aus Zivilisationsabfällen und Produktionsreststoffen beschrieben. Das Potenzial des Urban Mining ist dabei erstaunlich hoch: So weisen z. B. gebrauchte Toner-Kartuschen einen höheren Prozentsatz an Gold auf als das Material, aus dem in Südafrika dieses Edelmetall gewonnen wird. Ähnlich ergiebige Rohstofflieferanten sind Baureste und Elektronikschrott. Bisher können aber nicht alle Sekundärrohstoffe zu Kosten gewonnen werden, die im Vergleich zu den Primärrohstoffen konkurrenzfähig sind. Die Kostenschere zwischen Sekundärressourcen und Primärressourcen schließt sich aber zunehmend. Denn während die Preise für Primärressourcen langfristig steigen werden, führt der technische Fortschritt zu niedrigen Produktionskosten von Sekundärrohstoffen. Bei einigen Materialen wird sich zudem nicht mehr die Frage nach dem Preis, sondern nach der grundsätzlichen Verfügbarkeit stellen. So sichern sich produzierende Unternehmen heute schon den Zugriff auf Schrotte, um sich die dort vorhandenen Edelmetalle zu sichern.
Vom Entsorger zum Rohstoffhändler
Neben der Weiterentwicklung von technischen Verfahren zur Stoffrückgewinnung und Aufbereitung sind die organisatorische Abwicklung und das Management der Stoffströme im Sinne eines Supply Chain Managements zu organisieren. Zukünftig wird der Markt für Sekundärrohstoffe sich den allgemeinen Marktbedingungen der produzierenden Industrie und der des Handels anpassen. So müssen die Sekundärrohstoffe in gesicherter Qualität und Menge vorliegen. Industrie- und Siedlungsabfälle als Ausgangsmaterial für Sekundärrohstoffe fallen aber nicht kontinuierlich und in Massen an, sondern in kleinen und kleinsten Einheiten mit starken Schwankungen, sowohl in der Menge als auch in Zusammensetzung und Qualität. Die verarbeitende Industrie benötigt jedoch die Sekundärrohstoffe kontinuierlich und mit gleich bleibender Qualität, wie sie es von der Versorgung mit Primärrohstoffen in Sinne des SCM her gewöhnt ist. Daher sind die Produzenten der Sekundärrohstoffe gefragt, einerseits mit einer geeigneten Verfahrenstechnik für ein konstantes Qualitätsniveau zu sorgen und andererseits durch eine optimierte Logistik das richtige Ausgangsmaterial zur richtigen Zeit zur Verfügung zu stellen.
Das Fraunhofer IML unterstützt Sie mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung in SCM und Entsorgungslogistik, sicher den Schritt vom Entsorgungsunternehmen zum Rohstofflieferanten zu gehen.
Vorgehensweise
Informationen sind die entscheidenden Rohstoffe des Supply Chain Managements. Die Unternehmen mit der besten Kenntnis über die Kundenbedürfnisse auf der einen Seite und der Materialverfügbarkeit auf der anderen Seite werden zukünftig am Markt bestehen. Je besser Mengen und Qualitäten erfasst werden, desto effizienter werden Stoffströme gesteuert. Somit gilt es, Mengen identifizierbar und verwaltbar zu machen. Ansätze hierzu bietet die RFID Technologie. Die automatische Identifikation von Behältern, Ballen oder Big Bags, sowie von Fahrzeugen und Akteuren machen eine Steuerung erst möglich.
Im Anschluss an die Identifikation von Mengen und Materialen stehen diese notwendigen Informationen dem Management der Versorgungskette zur Verfügung. Hierzu sind die Methoden des Supply Chain Managements, wie z. B. unternehmensübergreifende Informationssysteme oder die Abstimmung von Produktionsabläufen anzupassen bzw. weiterzuentwickeln, um auch kleinen und mittleren Unternehmen den Schritt vom Entsorger zu Rohstofflieferanten zu ermöglichen.
Leistungen
- Umsetzung eines Stoffstromleitstands zur Steuerung der Mengen von Sekundärrohstoffen. Hierzu zählt aus der Sicht des Entsorgers die Beschaffung (Sammlung), Lagerung und Bereitstellung, möglicherweise mit Aufbereitung und die Distribution bzw. Entsorgung.
- Identifikation von Mengen und Akteuren, beispielsweise die Leistungsdokumentation und Steuerung von Containerdiensten
- Automatische RFID-Identifikation für Großcontainer und Integration in Telematiklösungen
- Tourenoptimierung als Webanwendung mit mathematischen Verfahren für Containerdienste.



Social Bookmarks