ZF-Zukunftsstudie 2016 »Die letzte Meile«

Wenn der Roboter das Weihnachtspaket bringt

Pressemitteilung / 15.12.2016

Fahrenden Zustellrobotern gehört die Zukunft, während Auslieferungsdrohnen über ein Nischendasein nicht hinauskommen: Das sind Ergebnisse der Ende November vorgestellten ZF-Zukunftsstudie 2016, die das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML und die ZF Friedrichshafen AG gemeinsam durchgeführt haben und die sich mit der »Logistik auf der letzten Meile« befasst. Doch was bedeuten die Ergebnisse für Metropolregionen wie dem Ruhrgebiet? Werden Logistikunternehmen den immer weiter zunehmenden Online-Handel im Weihnachtsgeschäft in Zukunft noch bewältigen können?

Prof. Clausen stellt ZF-Zukunftsstudie vor

Institutsleiter Prof. Dr. Uwe Clausen bei der Vorstellung der Studienergebnisse am 28. November in Berlin

Acht Millionen Pakete erreichen heute in Deutschland ihren Empfänger. Das sind 240 Prozent mehr als üblich – in der Weihnachtszeit Normalität. Und in Zukunft werden es noch mehr: Mit bis zu 400 Millionen Paketzustellungen rechnen die an der Studie beteiligten Wissenschaftler deutschlandweit bis 2030 – ein Volumen, das Logistikdienstleister mit den heute eingesetzten Technologien kaum stemmen können. Darum muss sich vor allem in Metropolregionen wie dem Ruhrgebiet die »letzte Meile«, die Strecke vom letzten Warenverteilzentrum bis zum Kunden, verkürzen und intelligenter genutzt werden.

In der Studie haben die Wissenschaftler die Anforderungen der Endkunden, gesetzliche und räumliche Rahmenbedingungen sowie technische Trends untersucht. Vor allem die jungen, berufstätigen Bewohner der ständig zunehmenden Ein- bis Zwei-Personen-Haushalte lassen das Volumen des E-Commerce immer weiter wachsen. Nicht nur bei Frischwaren fordern Kunden eine schnelle Zustellung. Same Day Delivery ist Standard, Same Hour Delivery der Trend. Ohne kürzere Logistikwege lassen sich diese Anforderungen nicht realisieren. Lokale Distributionszentren müssen daher näher zum Kunden rücken und dezentraler organisiert sein.

Hinzu kommt: Schon heute werden Belieferungsverkehre eingeschränkt, Vorgaben für die Antriebstechnik verschärft oder Gebühren für den Zugang zu bestimmten innerstädtischen Bereichen erhoben. »Der Handlungsdruck, die letzte Meile aufgrund der nachgefragten Warenmenge aber auch zum Schutz der Gesundheit der Stadtbevölkerung umzugestalten, ist groß. Hier sind alle Beteiligten gefragt, CO2-Emissionen spürbar zu reduzieren«, erklärt Prof. Dr. Uwe Clausen, Institutsleiter am Fraunhofer IML.

Wenn es darum geht, schnell und emissionsarm beim Empfänger zu sein, und auch das Weihnachtsgeschäft zu bewältigen, sind also kreative Lösungen gefragt. Eine solche Lösung ist den Autoren der Studie zufolge etwa der 3D-Druck, der einen Teil der Transporte sogar überflüssig machen wird. Viele Güter können mittels dieser Additiven Fertigung vor Ort hergestellt werden. So könnten sich 3D-Druck-Läden durchsetzen – ganz wie Copyshops in Zeiten, in denen noch nicht jeder Haushalt über einen kopierfähigen Tintenstrahldrucker verfügte.

Die Technologie des autonomen Fahrens könnte auf der letzten Meile zum Einsatz kommen, indem etwa ein Transportfahrzeug dem Zusteller auf seinem Weg von Haus zu Haus automatisch folgt. Eine wichtige Rolle trauen die Wissenschaftler zudem bodengebundenen Transportrobotern zu. Weil Transportdrohnen aufgrund von Sicherheitsrisiken kaum über ein Nischendasein hinauskommen werden, könnte die Stunde der fahrenden Zustellroboter schlagen. »Sie können den lokalen Paketversand unterstützen und sind daher sowohl für den sich wandelnden Innenstadthandel als auch für Same Day Delivery interessant. Aufgrund ihrer beschränkten Einsatzradien profitieren Roboterlösungen zudem davon, dass die Kundenanforderungen auf eine Verkürzung der letzten Meile drängen. Ihren Einsatz erwarten wir nicht in den nächsten ein bis zwei Jahren, aber im Jahr 2030 halten wir es für realistisch«, so Clausen.

Darüber hinaus könnten Lkw mit elektrischem Antrieb die Nachtstunden für saubere und leise Transporte auf der letzten Meile nutzen. Zumindest in Metropolregionen und Großstädten werden Elektro-Fahrzeuge den Forschern zufolge aufgrund der Vorschriften zu Lärmbelastung und Schadstoffemissionen konventionelle Fahrzeuge Stück für Stück ersetzen.

 

Die Studie steht unter folgendem Link zum Download bereit:

https://www.zf-zukunftsstudie.de/zukunftsstudie-2016/die-letzte-meile/