InKoRISK

Kollaboratives Supply Chain Risikomanagement in der Automobilindustrie

Laufzeit: 01.08.2011 bis 30.07.2014

Die enorme Variantenvielfalt der Produkte in der Automobilindustrie hat komplizierte und damit auch störungsanfällige Logistikprozesse zur Folge, insbesondere in der Beschaffung. Hinzu kommt, dass Hersteller immer weniger Teile vor Ort bevorraten, sodass die Produktionslinie pünktlich von Lieferanten versorgt werden muss, um Produktionsunterbrechungen zu vermeiden.

Die Basis für InKoRISK stellt das Projekt InTerTrans („Integrierte Terminierung und Transportplanung für komplexe Wertschöpfungsstrukturen“) dar. Dabei handelte es sich um ein Forschungsprojekt zur Realisierung effizienter Transportprozesse in Beschaffung und Distribution in der Automobilindustrie, bei der durch eine geschickte Produktionsreihenfolge Transporte besser ausgelastet werden könnten. Durch wirtschaftliche Nutzung des Verkehrs könnte der CO2-Ausstoß potentiell verringert werden. Jedoch traten auch hier entlang des Planungsprozesses Risiken auf, die einer Umsetzung in der Praxis entgegenstanden. Mögliche Risiken für die Supply Chain sind z. B. Flugverspätungen, Maschinen- oder IT-Ausfall, Streiks bis hin zu Terroranschlägen. Aus Risiken können Störungen resultieren, die höhere Kosten, unpünktliche Lieferungen, schlechte Auslastung oder zusätzliche Transporte zur Folge haben können. Die Berücksichtigung von Risiken im Vorfeld kann diese Vermeiden oder deren Auswirkungen minimieren.

An dieser Stelle setzt das Forschungsprojekt InKoRISK („Integrierte Terminierung und Transportplanung“, FKZ 19G11003D) an und schlägt risikovermeidende und auswirkungsminimierende Maßnahmen vor. Dazu wurden im Projekt zunächst die Auswirkung von Störungen in den Logistikprozessen der Automobilindustrie untersucht. Da die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit die Basis für eine integrierte Produktionsplanung und Transporte darstellt, adressiert die Maßnahmenentwicklung das kollaborative Supply Chain Risk Management (SCRM). Beispielsweise treten bei einem Zulieferer Störungen auf, die aus heutiger Sicht kostspielige Maßnahmen zur Folge hätten. Bei hinreichender Transparenz in der Lieferkette und einer geeigneten Methode zur Bewertung der Situation lassen sich zielgerichtete Maßnahmen ergreifen, die sowohl mögliche negative Effekte auf die Lieferkette als auch den erforderlichen Kostenaufwand reduzieren. Zur Demonstration einer solchen möglichen lieferkettenweiten Zusammenarbeit wurde der Prototyp eines Logistischen Assistenzsystem (LAS) entwickelt.

 

Ziele

Da alle Partner einer Supply Chain, vom 2nd-tierr-Lieferanten über den OEM bis zum Händler, voneinander abhängig sind, werden im Zuge der kollaborativen Risikomilderung die folgenden Ziele verfolgt:

  1. Intelligente Planung. Statt kostenintensiver Maßnahmen, deren Effekt im Vorfeld nicht hinreichend absehbar ist, sollten Maßnahmen entwickelt werden, die im Sinne von Kosten und Umwelt effizient anwendbar sind und sowohl auf Supply-Chain-Transparenz als auch komplexen Bewertungsmethoden basieren.
  2. Vertrauensvoller Informationsaustausch. Eine gemeinsame Informationsbasis ist die Voraussetzung für gute Zusammenarbeit. Darum ist ein Ziel die Verbesserung und Standardisierung des Informationsaustauschs zwischen den einzelnen Supply-Chain-Partnern als Basis für kollaborative Kommunikation und gemeinsame Wissensgenerierung mit Gewährleistung hoher Datensicherheit.
  3. Validierung in der Praxis. Zweck der anwendungsorientierten Forschung ist die Übertragung von Forschungsergebnissen in die Praxis. Daher wurden Prototypen entwickelt, mit denen sich der Nutzen einer kollaborativen Planung demonstrieren lässt.

Durch InKoRISK werden notwendige prozess- und organisationsorientierte Anpassungen für ein unternehmensübergreifendes Risikomanagement in den einzelnen Unternehmen identifiziert und umgesetzt. Mit einem solchen Risikomanagement können Risiken für die Supply Chain durch einen koordinierten Ansatz aller Mitglieder identifiziert und gemanagt werden, um die Verwundbarkeit der Prozesskette zu reduzieren und ihre Kontinuität zu sichern. Wichtig ist die Implementierung von Risikomilderungsstrategien. Langfristig schafft eine solche Zusammenarbeit einen einzigartigen Gemeinnutzen, den kein Partner allein erreichen kann.

Aus den Zielen ergibt sich folgendes konzeptionelles Modell:

  

 

Innovation

Daten aus Versand und Werken (Distribution und Produktion) dienen als Input für eine IT-systembasierte Simulation. Bei diesem IT-System handelt es sich um das Risk-LAS, einen Demonstrator, mit dem sich im operativen Betrieb kurzfristige Störungen abbilden und Gegenmaßnahmen bewerten lassen. Alle relevanten Daten und Fakten werden in ein Simulationsmodell übertragen und mithilfe des Simulationswerkzeugs OTD-NET „in die Zukunft gerechnet“. Das Risk-LAS funktioniert szenariobasiert, sodass Variablen verändert und für verschiedene Kombinationen von Maßnahmen neue Simulationsabläufe gestartet werden können.

Vorteile durch kollaboratives Supply Chain Risikomanagement auf einen Blick

  1. Mehr Transparenz von potentiellen und tatsächlichen Risiken in der Supply Chain
  2. Höhere Widerstandsfähigkeit der Supply Chain
  3. Verkürzte Reaktionszeit auf Risiken
  4. Verringerte Unterbrechungen der Supply Chain durch
    • Kollaborative Prognose von Risiken
    • Kommunikation von möglichen Unterbrechungen im Falle eines Risikos
    • Herausfinden, ob Puffer zur Verfügung stehen, um Engpässe zu vermeiden
  5. Verbesserte strategische Partnerschaft

 

Partner

  • Volkswagen AG
  • DB Schenker
  • Continental
  • 4flow
  • Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, BMWi, im Rahmen des Forschungsprogramms „Mobilität und Verkehrstechnologie“

 

Veröffentlichungen

Gelau, T.; Cirullies, J.; Schwede, C.; Kirazli, A.; Schwind, R. (2014): A Conceptual Approach to Collaborative Supply Chain Risk Management in the Automotive Industry, 21st EurOMA Conference: Operations Management in an Innovation Economy, Palermo, 06/20-25/2014

Schwede, C. (2015): Integration von Auftragsreihenfolge- und Distributionsplanung für die variantenreiche Fließfertigung in der Automobilindustrie. Dissertation. Dortmund: Praxiswissen.

Wagenitz, A.; Cirullies, J.; Schwede, C.; Beißert, U. (2013): Risikoabsicherung in Großprojekten. Herausforderung und ein simulationsbasierter Lösungsansatz am Beispiel Großanlagebau und Bauindustrie. In: Entscheidungsunterstützung von der Planung bis zur Steuerung. 15 ASIM Fachtagung Simulation in Produktion und Logistik. Paderborn, 9.-11.10.2013